25.06.2014
aerokurier

Fit für die ODM in Eisenach?Helikoptertraining in Nördlingen

Der Countdown ist eingeleitet. Noch 29 Tage, dann kämpfen die besten deutschen Helikopterteams wieder um Meistertitel. Und da die Titelkämpfe in Eisenach "offen" sind, werden vom 24. bis 27. Juli auch internationale Teams an den Start gehen. Das verspricht hochklassigen Helikoptersport.

In alter Tradition trafen sich die potenziellen ODM-Teilnehmer über Pfingsten auf dem Flugplatz in Nördlingen. Dort hatten bereits Deutsche Hubschraubermeisterschaften sowie ein Weltmeisterschaft stattgefunden. Der schöne Platz ist ausgesprochen Helikopter-freundlich und bietet sehr gute Trainingsbedingungen, bei denen sowohl die Crews als auch die Schiedsrichter ihre Erfahrungen austauschen können, und eine gute Einschätzung des eigenen Leistungsstands möglich wird. In diesem Jahr ist auch mit Lothar Oehler ein neuer Chefschiedsrichter aktiv.

An den Start gingen in Nördlingen 14 Teams, darunter auch zwei aus der Schweiz. Zudem flogen mit den Besatzung Stefan Seer/Christian Korb eine österreichisch-deutsche Crew sowie mit Ruedi Boser/Bettina Schleidt eine schweizerisch-deutsche Mixed-Crew. Nach jeweils gewerteten Durchgängen in den vier Disziplinen Navigation, Präzisionsflug, Fender Rigging und Slalom blieb viel Zeit für freies Training. Da konnte jede Crew exakt an den Elementen arbeiten, die im "scharfen" Durchgang noch nicht optimal gelaufen waren.

Ganz neu hatte sich die bisher einzige deutsche Damencrew mit Sabine Bühlmann und Elke Kolb auf der S-300 formiert. Beide lernten sich erst in Nördlingen kennen. Während Sabine Bühlmnann als Berufshubschrauberpilotin schon große Wettbewerbserfahrung mitbrachte, war das Trainingslager die Premiere für Elke Kolb. Die Copilotin, die selbst Flächenflugzeuge fliegt, überzeugte bereits in der Navigation. Das ist gerade bei Copiloten mit weniger fliegerischer Erfahrung oft ein Manko, wurde aber von den beiden Damen hervorragend gemeistert und lässt für die Damenwertung bei der ODM in Eisenach im Juli hoffen. Beim Fender Rigging, bei dem Bojen in sehr kurzer Zeit in Tonnen versenkt werden müssen, sowie  beim Slalom wird die Damencrew allerdings noch hart trainieren müssen.

Ähnlich ging es auch der Besatzung Frank Niemann/Jochen Rüter auf einer EC120. Beide waren nach mehr als zehnjähriger Wettkampfabstinenz in Nördlingen wieder dabei. Damals starteten sie auf einer Enstrom 280. Das Fender Rigginig war für die Crew aus Melle ein völlig neues Element, da dies vor zehn Jahren noch nicht Bestandteil des FAI-Regelwerks war. Hier benötigten beide viel zusätzliche Trainingsumläufe, zumal dieser Wettbewerbsteil bei der Meisterschaft in extrem knapper Zeit geflogen wird. Da kann schon jeder kleinste Strafpunkt über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Fast schon professionell und mit der Erfahrung vieler, vieler Wettkämpfe, gingen Martin Eigner/Thorsten Strohmaier (R44) sowie Andreas Rübner/Helmut Korb (R44) das Fender Rigging an. Beide absolvierten den Parcours wie aus einem Guss und in sehr guten Zeiten. Beide Teams können sich jetzt auch berechtigte Hoffnungen auf einem Podestplatz in Eisenach nmachen, zumal die Titelverteidiger Marcel Stegmüller/Jens Scholpp  diesmal nicht antreten können, da Pilot Stegmüller von der R22 auf die R44 wechselte und noch nicht genügend fliegerische Erfahrung auf dem Viersitzer hat. Martin Eigner, amtierender Vorsitzender des DHC (Deutscher Hubschrauber Club) hofft, endlich mal ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen, denn bisher war er immer von Stegmüller/Scholpp geschlagen worden. 

Das neue Element im Wettbewerb wird der Präszionsflug sein. Aus dem einstigen "Hoverquadrat" ist eine einzige Hover-Linie geworden, über der der Pilot seinen Helikopter in niedriger Höhe vorwärts, rückwärts und seitwärts manövriert. Da dieser Teil erheblich dichter zu den Zuschauern geflogen werden kann, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen, werden die Besucher in Eisenach auch besser beurteilen können, ob zu hoch oder zu unsauber gehovert wird. Trainiert wurde dies in Nördlingen jedenfalls schon ziemlich intensiv. 

Das Kennenlernen untereinander und das gesellige Beisammensein kamen in Nördlingen natürlich auch nicht zu kurz. Neue Crews wurden herzlich aufgenommen, alte Kontakte auch wieder vertieft. Besonders viel Zeit dazu hatten Hans Jörg Fader und seine Copiltion Evi Schmidt-Kränzle. Weil es extrem heiß war, konnte ihre betagte feuerrote Bell 47 G die meisten Übungen nicht fliegen, da geriet der Oldie einfach an seine Leistungsgrenze. Nun hoffen alle Nördlingen-Teilnehmer zwar auf gutes Flugwetter im Juli in Thüringen , aber ein paar Grad darf es schon kühler sein; das schont die Helikopter und ihre Besatzungen, aber auch die Schiedsrichter und Bodenhelfer, die in Nördlingen stundenlang in der prallen Sonne geduldig aushielten.

Bis Mitte Juni hatten sich mehr als 30 Crews für die ODM in Eisenach angemeldet, darunter auch wider Erwarten sechs russische Spitzenteams, hinter deren Teilnahme aufgrund der politischen Situation ein großes Fragezeichen gestanden hatte.



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