21.11.2014
aerokurier

Lenkrad fürs Helikopter der ZukunftForschungsprojekt myCopter für ein neues Transportsystem

Hubschrauberfliegen so einfach wie Autofahren. Mit einem neuen Lenkrad im Helikopter und zahlreichen anderen innovativen Forschungsansätzen hat sich das Projekt myCopter vier Jahre intensiv beschäftigt. Die Ergebnisse präsentierten die beteiligten europäischen Forschungseinrichtungen nun beim DLR in Braunschweig.

mycopter Lenkrad EC135

Dipl-Ing. Bianca Schuchardt und DLR-Testpilot Uwe Göhmann "fliegen" im EC135-Simulator mit dem Lenkrad der Zukunft. Foto und Copyright: DLR  

 

Das Lenkrad im Helikopter, das die Bedienung der Steuerelemente dramatisch vereinfachen kann, und intuitiv wie ein Autolenkrad zu handhaben ist, war eines der herausragenden Ergebnisse des vierjährigen Forschungsprojekts myCopter. Es wurde am 20. November beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig der Öffentlichkeit vorgestellt. Den Forschern ging es nicht um die Entwicklung eines neuen Fluggeräts sondern darum, wie der individuelle Flugverkehr der Zukunft aussehen kann; unter welchen gesellschaftsrelevanten Kriterien man ihn nutzen kann, und wie man Prozesse zum sicheren Steuern eines PAV (Personal Aerial Vehicle) miteinander koordiniert.

An dem von der EU mit 3,4 Mio Euro geförderten Projekt sind unter Federführung des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik (mit Prof. Dr. Heinrich Bülthoff als Projekt-Koordinator) neben dem DLR vier weitere europäische Institute beteiligt: The University of Liverpool, École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich und Karlsruher Institut für Technologie.

Um zu erfahren, ob und wie das von Dipl.-Ing. Bianca Schuchardt beim DLR entwickelte Lenkrad arbeitet, nutzen die Wissenschaftler den Forschungshubschrauber FHS des DLR, eine EC135, die so modifiziert ist, dass sie auch andere Flugplattformen generieren kann, während die klassische Steuerung des Helikopters als Backup erhalten bleibt und jederzeit durch den zweiten Testpiloten an Bord der EC135 aktiviert werden kann.

Im FHS-Simulator hat DLR-Testpilot Uwe Göhmann das Lenkrad bereits "im Fluge" erprobt. Die anfängliche Skepsis des erfahrenen, langjährigen Berufshubschrauberpiloten, wich schnell der Erkenntnis, dass das System kinderleicht zu bedienen ist. Das Lenkrad reagiert genau wie das Steuer eines Autos, die Pedale steuern Bremse (linkes Pedal) und Gas (rechtes Pedal). Lediglich für Höhengwinn muß (zumindest in der Demo-Version) noch der Kollektivhebel betägt werden. Mit Kippschaltern auf dem Lenkrad können Schwebeflugmanöver nach rechts, links oder rückwärts durchfgeführt werden. Während Helikopterpiloten insbesondere beim Bedienen der Pedale umdenken müssen, könnte dies für Nichtpiloten erheblich einfacher sein, weil die meisten Menschen die Bewegungen intuitiv vom Autofahren kennen. Sobald die Software für das System komplett installiert ist, kann der FHS in Braunschweig zum seinem ersten realen Flug mit dem Lenkrad starten.  

Professor Bülthoff und Prof. Dr.-Ing. Stefan Levendag, Direktor des Instituts für Flugsystemtechnik beim DLR, und zuständig für die Flugversuche mit dem FHS, betonten in der abschließenden Pressekonferenz, dass ein Personal Aerial Vehicle (PAV), dessen Definition noch in der Zukunft liegt, nicht als Ersatz für den bisherigen bodengebundenen Verkehr dienen soll, sondern als Ergänzung. Zudem sei auch klar, dass nicht jeder künftig durch die Luft schweben könne, denn dann wäre, so die Wissenschaftler, das Verkehrschaos in die Luft verlagert.

Genau das soll myCopter ausschließen. Denn die anderen beteilgten Instutut beschäftigen sich mit Antikollsionssystemen, vollautomatisierten Start- und Landeverfahren sowie mit der Mensch-Maschine-Schnittstelle und, last but not least, auch mit der Akzeptanz eines PAV in der Bevölkerung.



Weitere interessante Inhalte
Erfolgsstory 50 Jahre BO105

16.02.2017 - Am 16. Februar 1967 hob der legendäre Hubschrauber zu seinem Jungfernflug ab. Weltweit sind heute noch mehr als 400 Maschinen im Einsatz. … weiter

Bilanz 2016 ADAC Luftrettung startet zu 54444 Notfällen

07.02.2017 - Die Hubschrauber der gemeinnützigen ADAC Luftrettung sind im Jahr 2016 zu 54444 Notfällen gestartet. Damit hoben die Lebensretter tagsüber im Durchschnitt etwa alle fünf Minuten zu einem Einsatz ab. … weiter

Airbus Helicopters Positiver Jahresbericht für 2016

27.01.2017 - Mit 418 Maschinen konnte Airbus Helicopters letztes Jahr fünf Prozent mehr Hubschrauber ausliefern als 2015. Damit baut das Unternehmen seine Position als Marktführer weiter aus. … weiter

Flottenerneuerung geplant Rega setzt auf H145

09.12.2016 - Die schweizerische Rettungsflugwacht Rega hat den Kauf von sechs neuen Hubschraubern des Modells H145 beschlossen. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die sechs Hubschrauber inklusive medizinischer … weiter

Erstmals Airbus-Muster in der Flotte WIKING Helikopter Service erhält ihren ersten H145

27.10.2016 - WIKING Helikopter Service hat in Donauwörth heute ihren ersten H145 von Airbus Helicopters in Empfang genommen. Der Hubschrauber ist der erste H145 der speziell für den Einsatz über See ausgerüstet … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

aerokurier 02/2017

aerokurier
02/2017
25.01.2017

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Zlin Aviation Shock Cup
- Flugzeugreport: Howard DGA-15
- 21 Seiten Segelflug-Extra
- Luftfahrtversicherungen
- 8,33-kHz-Upgrade
- Jumbolino BAe 146
- Tipps für Trips: Schloss Basthorst

Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:

aerokurier Online-Markt

aerokurier iPad-App