11.03.2009
aerokurier

Van´s-Treffen in Damme 2008Van´s-Treffen in Damme 2008: Coole Kennzeichen und Grinsen im Gesicht

Die Bausatzflugzeuge der Marke Van´s Aircraft haben weltweit eine begeisterte Anhängerschaft: in der Luft heiße Renner, im Alltag bescheiden und zuverlässig. Mehr als 40 RV kamen zum ersten Van´s-Treffen nach Damme 2008. <br />

Das coolste Kennzeichen an diesem Wochenende im Mai hatte ohne jeden Zweifel Andy Phillips aus Fareham in England: Seine RV-6 hört auf den Namen G-GRIN. Dazu muss man wissen, dass der so genannte Grinsfaktor zur Serienausstattung der Flugzeuge des US-Bausatzherstellers Van´s Aircraft gehört. Anscheinend war es Richard Van Grunsven selbst, der mittlerweile zur Legende gewordene Firmengründer, der das Wort zusammen mit seinen rassigen Tiefdeckern in die Welt gesetzt hat. Was er damit auf eine Formel bringt, ist das Gefühl, das jeder Van´s-Pilot nach dem Aussteigen hat. Es entsteht zuverlässig durch das Zusammentreffen von kaum zu zügelndem Leistungswillen, Vielseitigkeit und Alltagstauglichkeit bei seinen Flugzeugen. Hinzu kommt eine Optik, die allein schon das Herz schneller schlagen lässt.

Schwer zu entscheiden, ob Andy Phillips´ seidig glänzender Zweisitzer auch der schönste war, immerhin hatte er 41 nicht weniger formvollendete und blankpolierte Konkurrenten aus ganz Europa. Der Flugplatz Damme, reizvoll gelegen zwischen Teutoburger Wald und Dümmer-See, hatte am letzten Mai-Wochenende zu einem internationalen Van´s-Treffen eingeladen. Gekommen sind die genannten 42 Flugzeuge mit ihren Besatzungen, die zugleich die Van´s-Modellpalette nahezu komplett repräsentierten: von der RV-4, dem ersten Zweisitzer der Familie, bis zur RV-9, der langflächigen Version fürs Entspanntfliegen. Auffallend viele waren aus dem Ausland gekommen. Ein halbes Dutzend Briten war darunter, ebenso viele Dänen, außerdem Österreicher, Niederländer, Schweizer und Belgier. Den obligatorischen Preis für die weiteste Anreise nahm ein schwedisches Team mit nach Uppsala.

Die Aussicht, eine stattliche Flotte der schnittigen Selbstbaurenner an einem Platz versammelt zu sehen, lockte darüber hinaus nicht wenige weitere Flugzeuggucker nach Damme: Zeitweise waren mehr als 130 Flugzeuge am Platz, von Freitag bis Samstag wurden mehr als 650 Flugbewegungen gezählt – ein Hauch von „Tannkosh“ in der norddeutschen Tiefebene.

Geboten wurde den Gästen einiges auf dem tipptopp gepflegten Verkehrslandeplatz mit 700-Meter-Asphaltbahn und Nachtflugbefeuerung. So gab´s ein Symposium zum Thema Selbstbauflugzeuge, Produktvorstellungen, eine Spritztour im Pulk nach Wangerooge und abends eine zünftige Van´s-Party mit Barbecue und Preisverleihung.

Dass die Dammer ein internationales Van´s-Treffen – das erste dieser Art in Deutschland – ausgerufen haben, kam natürlich nicht von ungefähr. Zwar entstand die Idee aus einer „Bierlaune“ heraus, wie Flugleiter Bert Wingender berichtet, aber man weiß am Ort nur zu gut, wie Flugzeuge im Eigenbau entstehen. „Amateurflugzeugbau gab es am Platz immer schon“, weiß Bauherr Hans-Peter Viere zu berichten. Seit 2004 wird auch gemeinschaftlich an Flugzeugen der Marke Van´s Aircraft gearbeitet. Hans-Peter Vieres RV-6 ist schon die vierte Van´s, die hier vollendet wurde. Sie sieht nun ihrer Erprobung entgegen.

Die Bausatzflugzeuge aus Aurora im US-Bundesstaat Oregon haben weltweit eine begeisterte Anhängerschaft. Der Erstflugzähler auf der Internetseite der Firma rückt fast täglich um eine Stelle weiter, Ende Juni 2008 stand er bei 5753. Etwa 40 Prozent davon gehen auf das Konto der RV-6/RV-6A. Den Tiefdecker hatte Van´s Mitte der 1980er Jahre auf den Markt gebracht, Richard Van Grunsven entsprach damit dem vielfachen Wunsch nach einer Seite-an-Seite-Anordnung der Sitze. Die Leistungsdaten sind repräsentativ für die Van´s-Familie, und sie sind schlichtweg überragend: 180 Knoten Höchstgeschwindigkeit (mit 180-PS-Motor), 2275 Fuß Steigen, keine 150 Meter Startstrecke. Selbst mit 55 Prozent Leistung rennt die RV-6 noch mit 155 Knoten.

Die hohe Endgeschwindigkeit ist eigentlich nicht der Dreh- und Angelpunkt der Van´s-Philosophie. Sie steht auf Abruf bereit, aber sie ist nicht zwingend. Die Idee ist eher, dass man deutlich unterhalb der Höchstgeschwindigkeit sehr wirtschaftlich unterwegs sein kann– und dabei immer noch schneller ist als viele andere. 

Wer einen Van´s-Bausatz in Oregon bestellt, holt sich in jedem Fall klassischen Metallflugzeugbau in die eigenen vier Wände. Die Zeit, die der Freizeitflugzeugbauer mit Blechschere, Entgrater und Niethammer zubringt, variiert naturgemäß stark. Der Weltrekord für einen Standardbausatz liegt bei 85 Tagen, einige frühe RV-3-Baumeister wetteifern andererseits noch immer um den Titel des „längsten Projekts“. Für die in höherem Maße vorbereiteten Muster RV-7, RV-8 und RV-9 nennt Van´s einen Aufwand von durchschnittlich 1600 bis 1800 Stunden. Mit den Schnellbausätzen könne es in der Hälfte der Zeit getan sein. Natürlich gibt es jede Menge Zubehör zu kaufen, die Unterstützung durch den Hersteller gilt als vorbildlich, und die internationale Van´s-Gemeinde ist kommunikativ und gut vernetzt.

„Man wird von Van´s nicht frustriert“, bestätigt auch Uwe Krome, der mit seiner RV-4 aus Faßberg gekommen ist. Im Oktober erst ist der Zweisitzer fertig geworden.

Dass seine „Jungs während des Bauens großgeworden“ seien, wie der Airbus-Ingenieur erzählt, steht auf einem anderen Blatt. Der RV-Bauherr ist nach der ersten Erprobungsphase jedenfalls überzeugt von seinem Werk: „Die Leistungsdaten stimmen, das Handling ist sehr ausgewogen!“

Er hat, wie viele andere Selbstbauer auch, an manchen Stellen den Bauplan weggelegt und eigene Ideen verwirklicht. „Baukastenprinzip“ bedeutet ja, zumindest nach der Van´s-Philosophie, dass jedes Flugzeug – wie sein Erbauer – ein Individuum ist. Für reichlich Gesprächsstoff war also gesorgt an diesem Wochenende im Mai. Und die Dammer Flugplatzmannschaft hat sich, euphorisiert von ihrem Erfolg, sogleich in die Vorbereitung des nächsten Van´s-Treffens gestürzt, das vom 22. bis 24. Mai 2009 stattfinden wird.

Martin Schulz  



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