04.09.2014
aerokurier

Gold für Deutsche Ballöner beim weltgrößten Gasballon-WettbewerbEimers/Zenge sind Gordon-Bennett-Sieger

Zum vierten Mal in seiner Laufbahn als Gasballon-Pilot siegte der Duisburger Wilhelm Eimers beim Gordon-Bennett-Cup, dem ältesten Ballonrennen der Welt. Gemeinsam mit seinem Co Matthias Zenger fuhr Eimers 1410,64 km von Vichy, in Frankreich, an die Ostküste Siziliens.

Die französische Stadt Vichy in der Auvergne war in diesem Jahr der Startort für das Gordon-Bennett-Rennen 2014. Es ist das älteste und zugleich auch härteste Ballon-Rennen der Welt und gilt als offizielle FAI-Gasballon-Weltmeisterschaft im Weitfahren. 1906 wurde es von einem amerikanischen Verlegener namens Bennett ins Leben gerufen. Jede teilnehmende Nation darf bis zu drei Teams stellen. Insgesamt nahmen 17 Crews aus neun Nationen teil. Für Deutschland gingen drei Teams, unter anderem der erfahrene, 64-jährige Wilhelm Eimers und sein 51-jähriger Co Matthias Zenge an den Start.

Die mit Wasserstoff betriebenen Ballone können bis zu vier Tage und Nächte ununterbrochen in der Luft bleiben; gesteuert werden sie bedingt, indem die Piloten geschickt die Windrichtungen in unterschiedlichen Höhenlagen nutzen. Das Team mit der größten zurückgelegten Distanz zum Startort gewinnt.

Eimers/Zenge, im Vorjahr noch auf dem Vizeplatz, hatten sich nach dem nächtlichen Start (am 30. August) in Vichy bei sehr "langsamen Winden" für eine Fahrt in Richtung Mittelmeer entschiedien, andere Teams hatten eine östlichere Route übers Festland gewählt; für zwei Besatzungen war die Fahrt bereits kurz nach dem Start beendet.

Laut Wetter- und Strategieberechnungen war geplant, nach 45 Stunden Sardinen zu erreichen. Doch während der Fahrt über Wasser stellte sich heraus, dass sogar Sizilien erreichbar sein würde. Während sich das dritte deutsche Team für eine Landung auf Korsika entschied, fuhren die beiden anderen deutschen Ballonteams sowie zwei französische Teams, unter ihnen auch die Titelverteidiger Vincent Leys/Christophe Houver, dicht beieinander in einem Bogen um Sardinien, um mit stärkeren westlichen Winden weiter nach Sizilien zu gelangen.

Alle vier Teams erreichten nahezu zeitglich das Festland. Team Frankreich 2 entschied sich dann für eine sichere Landung in der Inselmitte. Team Deutschland 2 fuhr noch weiter bis zu einem Sperrgebiet und sicherte sich damit einen Platz auf dem Siegertreppchen.

Nun ging es ums Ganze, denn die Titelverteidiger hatten Einers/Zenge im Vorjahr in Portugal nach mehr als 70 Stunden Fahrzeit noch in der Luft überholt und den Titel "weggeschnappt".

Das konnten Eimers und Zenge dieses Mal vereiteln. Eimers, der als der erfahrenste Gasballonpilot der Welt gilt, und sein Co konnten ihren Ballon bis zuletzt in mehr als 2800 Metern Höhe halten und eine günstige Windströmung ausnutzen. So erreichten sie den letzten Zipfel des sizilianischen Festlands bei Syrakus im Osten der Insel. Nach 1409 Kilometern landete das französische Team. Das konnten die beiden deutschen Piloten aus ihrem Korb noch beobachten, und sie entschieden sich daraufhin auch zur sofortigen Landung. Nach 60 Stundenund 30 Minuten Fahrzeit und exakt 1410,64 Kilometern holten sich die Deutschen nach 14 Jahren wieder den Gordon-Bennett-Pokal. Im Jahr 2016 wird das Rennen dann, nach alter Tradition, im Land des Siegers, also in Deutschland stattfinden. Hier gibt es zudem die höchste Zahl von Gasballons weltweit.

Wilhelm Eimers (aus Dusiburg-Baerl) ist Elektrotechniker und seit den 70er Jahren als Ballonpilot (mit PPL-D) unterwegs. Im Gasballon absolvierte er mehr als 1000 Fahrten, zudem noch mehr als 1300 Fahrten im Heißluftballon. 1994 fuhr er mit einem Ballon über den Kanal nach Großbritannien und landete später in Irland. Ein Jahr später fuhr er mit seinem langjährigen Co Bernd Landsmann mit einem Gasballon vom schweizerischen Wil bis nach Riga in Lettland. Das Team landete dort nach 92:11 Stunden Fahrzeit und übertraf dabei den alten Weltrekord um 22 Stunden.

Eimers hatte das Gordon-Bennet-Rennen mit Bernd Landsmann bereits in den Jahren 1995, 1996 und 2000 gewonnen. Zudem errrang Eimers acht Vizemeister-Titel (1992, 1993, 2002, 2004, 2005, 2006, 2010, 2013).

Matthias Zenge ist Handwerksmeister und stammt aus Niederdorla in Thüringen. Er hat seit 2004 eine Ballonpilotenlizenz. Bisher absolvierte er 80 Gasballonfahrten und 800 Fahrten im Heißluftballon. Seine bisher längste Fahrt dauerte 66 Stunden.

Den Gordon-Bennett-Siegern, die die lange Heimfahrt VON Italien aus auf dem Wasser- und Landweg bewältigen mussten, wurde am Verbandsstartplatz des 2006 gegründeten Leistungszentrums für Gasballone in Gladbeck am 4. September ein großer Empfang bereitet.




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