10.09.2010
aerokurier

Gulfstream G250Die Kleine vom Spezialisten für Große

Gulfstream ist bekannt für seine schnellen Ultralangstrecken-Business-Jets. Mit der G250 hat der US-Hersteller ein neues Modell in der wichtigen „Super Midsize“-Kategorie entwickelt.

„Von der Wunschliste zur Checkliste“ lautet der Leitsatz, den Gulfstream über das G250-Programm gestellt hat. Der US-Hersteller meint damit die Beteiligung von potenziellen Nutzern an der Konzeption des Flugzeugs. Gulfstream hatte, noch bevor es an den Bau des Prototyps ging, Piloten, Flugbegleiter, Wartungs- und Flugbetriebsspezialisten an einen Tisch gebeten, um ihre Wünsche für einen mittelgroßen Business Jet abzufragen.
Das Ergebnis hat am 11. Dezember vergangenen Jahres seinen Erstflug hinter sich gebracht. Im März folgte das zweite Testflugzeug, es trägt die Seriennummer 2002. Gulfstream hat drei Flugzeuge für das Test- und Zulassungsprogramm vorgesehen. Die drei G250 sollen etwa 1300 Teststunden absolvieren, jedes ist für einen bestimmten Aufgabenbereich eingeplant: Nummer eins für Flugleistungen und Handhabung, Nummer zwei für Avionik und Nummer drei für Systeme und Zuverlässigkeit.
Die G250, sie ist in der „Super Midsize“-Kategorie angesiedelt, wird innerhalb des Gulfstream-Programms die G200 ersetzen. Die G200 hatte Gulfstream nicht selbst entwickelt, sondern im Jahr 2001 als Astra Galaxy übernommen, umbenannt und der eigenen Modellpalette einverleibt. Nach den Vorstellungen Gulfstreams und den Wünschen der befragten Kunden, sollen einige Schwächen, die die G200 besitzt, bei dem neuen Zweistrahler kein Thema mehr sein. Dazu zählen vor allem Startstreckenbedarf, Reichweite und Enteisung.
Das vorläufige Datenblatt der G250 nennt eine Langstrecken-Reisegeschwindigkeit von Mach 0.80, eine Reichweite von 3280 NM bei normaler Reisegeschwindigkeit und eine Startstrecke von 4960 ft (1512 m) bei maximaler Abflugmasse. Die Vergleichswerte für das Vorgängermodell lauten: Mach 0.75, 3050 NM und 6080 ft (1853 km).
Für die Enteisung der Tragflächenvorderkanten nutzt die G200 Enteiserschläuche - ein Merkmal, das viele Kunden bei einem Business Jet dieser Preisklasse für unangemessen halten. Dem neuen Modell hat Gulfstream daher ein Zapfluftsystem gegönnt. Identisch ist bei beiden Modellen der Rumpfquerschnitt. Dennoch ist die Kabine der G250 länger, sie misst 7,87 m statt 7,44 m. Gulfstream wirbt damit, dass die G250 in ihrer Klasse die größte Kabine, die größte Reichweite und die höchste Geschwindigkeit biete.
Die besseren Leistungen verdankt die G250 vor allem ihren neuen Triebwerken und den neu konstruierten Tragflächen. Der Triebwerkslieferant heißt nun Honeywell. Die beiden HTF-7250G geben eine Startleistung von je 7445 lbs (33,1 kN) ab. Sie ermöglichen es der G250, in weniger als 20 Minuten auf FL 410 zu steigen. Gulfstream sagt, die neuen Triebwerke seien weitaus leiser (mindestens 13 EPN dB unterhalb von Stage 4), setzten deutlich weniger Schadstoffe frei und hätten längere Wartungsintervalle.
Die wohl bedeutendste Verbesserung gegenüber der G200 stellen die Tragflächen dar. Die G200-Tragflächen waren seinerzeit von der G100 (vormals Astra SPX) übernommen worden - eine nicht optimale Lösung, die die genannten Schwächen zur Folge hatte. Das neue Modell nun kommt mit Tragflächen auf den Markt, wie sie sich die Betreiber wünschen: optimiert für sehr schnellen Reiseflug und reduzierten Startstreckenbedarf. Sie sind groß genug, um den gesamten Treibstoffvorrat aufnehmen zu können. Das erlaubte es, die Kabine zu verlängern. Außerdem ist nun der Gepäckraum im Flug zugänglich. Die neuen Flügel haben 1,50 m mehr Spannweite, sind viel stärker gepfeilt und sollen aerodynamisch um 23 Prozent effizienter sein. In ihrem Zuschnitt erinnern sie an die Flächen der G550.
Eine weitere markante Änderung im Erscheinungsbild ist das T-Leitwerk. Winglets besitzen sowohl die G200 als auch die G250. Nicht mehr wiederzuerkennen ist das Cockpit, hier hat das moderne Avioniksystem Plane View 250-, es basiert auf dem Pro Line Fusion von Rockwell Collins, das Pro Line 4 abgelöst. Das Erscheinungsbild des Plane-View-Systems in der G250 wird beherrscht von drei 38-cm-LC-Bildschirmen. Zur Ausstattung gehören zwei FMS, Multi-Scan-Wetterradar, ein zweifaches Auto-Throttle-System und eine Abstiegsautomatik für Notlagen.
Wahlweise gibt es unter anderem ein Head-up-Display, Sichtverstärkung (EVS II) und „Synthetic Vision“.
Für die Kabinenausstattung stehen drei Grundrisse zur Wahl, genannt „Executive“, „Universal“ und „Hallmark“. Es werden acht, neun oder zehn Passagiersitzplätze geboten. Darin enthalten sind die Ausführungen mit einem Sofa. Sehr stolz ist man bei Gulfstream auf den Waschraum, der recht geräumig ist und über eine Vakuumtoilette verfügt. Es gibt eine Bordküche und 19 Fenster. Eine Kabinenhöhe von 6000 ft wird bis zu einer Flughöhe von 41000 ft gehalten. Die Kabine hat ein Volumen von 26,5 m3, ein Plus von 2 m3 gegenüber der G200.
Weitere Ausstattungsmerkmale sind ein Brake-by-Wire-System von Meggitt und Single-Point-Betankung.
Gulfstream hat sich gegen ein komplettes Fly-by-Wire-Steuerungssystem entschieden. Alleine die Ruder und die Störklappen arbeiten auf diese Weise.
Gebaut wird die G250, wie auch die G200 und die G150, bei der Partnerfirma Israel Aerospace Industries in Tel Aviv. Von dort aus werden die „grünen“ Flugzeuge zur Komplettierung zu Gulfstream nach Dallas geflogen. Die Zulassung ist für das Jahr 2011 vorgesehen. Verkaufspreis: mindestens 24 Millionen Dollar.
Konkurrentinnen sind Bombardiers Challenger 300, Embraers Legacy 500 und die Hawker 4000.  



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