Fliegen lernen
Kommerzielle Schule oder Verein?
Ausbildung an einer kommerziellen Schule oder Flugtraining im Verein - diese Grundsatzfrage steht am Anfang. Welcher Weg sinnvoll ist, darüber entscheiden mehrere Faktoren:
Will man sich als "König Kunde" fühlen - oder auch mal den Hangar fegen und das Zeltlager der Jugendgruppe betreuen? Bei einer Ausbildung in kommerziellen Schulen kann der angehende Pilot in der Regel auf ein straffes und gut organisiertes Lehrgangsprogramm setzen. Bei der Theorieausbildung sollten flexible Termine möglich sein, ebenso beim Flugtraining. Für Interessenten mit knappem Zeitbudget empfiehlt sich meist eine kommerzielle Schule, da hier auch unter der Woche trainiert werden kann.
In den Vereinen läuft der Schulungsbetrieb meist ehrenamtlich. Das heißt vor allem Training am Wochenende und abends. Dazu kommt ein Pensum an Arbeitsstunden, das die Mitglieder in der Regel leisten müssen. Auch wenn Piloten nachher allein oder zu zweit im Cockpit sitzen - am Boden ist Flugsport eine Mannschaftssache. Das reicht vom Organisieren des Flugbetriebs, bestimmten Wartungsarbeiten bis hin zum Rasenmähen.
Einmot oder Ultraleicht? Die Wege als Privatpilot sind sehr vielfältig (C) Foto: aerokurier / Heiko Stolzke
Checkliste für Vereinsauswahl:
1. Eine Übersicht der möglichen Vereine festlegen, Faktoren könnten Anreise, Größe und Flugzeugpark sein.
2. Kontaktaufnahme mit den Vereinsmitgliedern - anrufen, E-Mail schicken
3. Feste oder "Tag der offenen Tür besuchen"
4. Schnupperflug oder Probewochenende absolvieren
Kein Verein gleicht dem anderen: Während in der einen Gruppe das kollegiale Miteinander gepflegt wird, setzen andere auf Hierachien und festgelegte Organisation.
Vorsichtig werden sollte der künftige Pilot bei folgenden Anzeichen:
1. Vereinsveteranen kehren schon beim ersten Gespräch ihre Überlegenheit heraus. Fliegen heißt ständiges Lernen - und auch ein erfahrener Pilot mit mehreren 10000 Stunden darf nie zu selbstsicher sein.
2. Nach dem zunftigen Grillnachmittag bei Bier und Steak setzen sich Vereinskameraden noch für eine Runde ins Flugzeug. Alkohol hat im Flugbetrieb nichts verloren! Ebenso schlimm ist Selbstüberschätzung. Wer mit rasanten Überflügen prahlt, landet im ungünstigen Fall schnell in den Bäumen am Flugplatzrand. Ein Grasplatz ist kein Flugzeugträger!
3. Neumitglieder sollen zunächst nur Reiningungs- und Handlangerarbeiten übernehmen: Sicherlich ist Luftfahrt ein Mannschaftssport. Nur vom Rasenmähen oder Ballholen hat aber auch noch kein Nachwuchsfußballer den richtigen Torschuss gelernt. Die Mischung muss stimmen - bei allen Organisationsarbeiten muss auch genug Zeit fürs Fliegen sein.
4. Während der Ausbildung wechseln ständig die Lehrer: Optimal für den Einstieg ist ein Fluglehrer als ständiger Ansprechpartner und kontinuierlicher Begleiter. Einzelne Flüge mit anderen Ausbildern sind kein Problem und bringen in der Regel auch neue Einblicke in den Schulungsverlauf.
5. Die Basisausbildung soll auf besonders leistungsfähigen (und teuren) Flugzeugen beginnen: Für die Grundlagen des Fliegens ist zunächst ein einfacher Trainer völlig ausreichend. Mit wachsendem Lernfortschritt empfliehlt sich aber auch die eine oder andere Stunde am Steuer eines leistungsfähigeren Fluggeräts.
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