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Motorenbezeichnungen

Tagesthema: Kleines ABC der Kolbenmotoren

Lycoming Oshkosh Bild (Standa

Wieviel Hubraum? Mit oder ohne Einspritzung? Turboaufgeladen oder nicht? Erste Hinweise auf die grundlegenden Merkmale eines Flugmotors gibt der Bezeichnungsschlüssel. Bekanntes Beispiel: IO-360.

Die Pitts Special hat einen, die Piper PA-34 hat zwei und der Zeppelin NT sogar drei. Und mehr als 50 weitere Luftfahrzeugmuster haben auch mindestens einen Lycoming-Motor aus der 360-Serie.
Der Vierzylinder ist – vor allem dank zahlloser Cessna 172, Piper Cherokee/Archer und Homebuilts - einer der populärsten Flugmotoren. 1955 erhielt der erste O-360 – ein O-360A1A – die Zulassung. Bis heute werden Varianten des Kolbenmotors gebaut.

Es versteht sich, dass die Anforderungen an den Motor eines Kunstflugzeugs nicht zu 100 Prozent deckungsgleich sind mit denjenigen an ein zweimotoriges Reiseflugzeugs.Die Lycoming-360-Familie besteht aus 167 Varianten. Erkennbar sind wesentliche Unterschiede an den Motorbezeichnungen. So kurvt die Pitts mit einem AEIO-360, während die Piper mit einem IO-360 oder LIO-360 unterwegs ist.

Lycoming arbeitet, wie andere Flugmotorenhersteller auch, mit einem System aus voran- und nachgestellten Zahlen und Buchstaben, um bestimmte Merkmale eines Modells zu kennzeichnen.
Der Buchstabe unmitelbar vor der großen Zahl verweist dabei immer auf die Bauweise. „O“ („Opposite“) steht für die Bauweise „Boxermotor“, „X“ für X-Motor und „R“ („Radial“) für Sternmotor.
Die Zahl „360“ benennt den Hubraum in Kubikzoll (361,0 cin = 5920 cm3).
Weitere Buchstaben vor der Hubraumgröße sind:

A – Aerobatic (Kunstflug mit Trockensumpfschmierung)

AE – Aerobatic (Kunstflug mit Nasssumpfschmierung)

G – Geared (mit Untersetzungsgetriebe)

H- Horizontal (für Hubschrauber)

I – Fuel Injected (Einspritzer)

L – Left Hand Rotation (linksdrehend)

M – Drone (für unbemannte Flugzeuge/Drohnen)

S – Supercharged (Kompressoraufladung)

T – Turbocharged (Turboaufladung)

V – Vertical (senkrecht stehende Kurbelwelle, für Hubschrauber)

Die Pitts Special hat folglich einen kunstflugtauglichen Boxermotor mit Einspritzung und 5,9 Liter Hubraum unter der Haube.
Aus der Hubraumgröße lässt sich bei Lycoming auch auf die Zahl der Zylinder schließen. Die Zuordnung sieht wie folgt aus:

Hubraum(cubic inch):235, 290, 320, 340, 360; Zylinder: 4

Hubraum(cubic inch):435, 480, 540; Zylinder: 6

Hubraum(cubic inch): 720; Zylinder: 8

Die auf den Hubraum folgenden Zahlen und Buchstaben verweisen unter anderem auf Varianten innerhalb der Baureihe, die Gegengewichte oder die Zahl der Magnete.

Der zweite US-Flugmotorenhersteller mit langer Tradition ist Teledyne Continental. Das Unternehmen wurde 1905 gegründet, seit 1969 gehört es zu dem gleichfalls US-amerikanischen Teledyne-Konzern.
Neben Flugmotoren stellte Continental auch Panzermotoren her, etwa für den M47 und den M60. Der vor dem Zweiten Weltkrieg eingeführte W-670, ein Siebenzylinder-Sternmotor mit 10,9 Liter Hubraum und 164 kW, wurde sowohl in gepanzerte Fahrzeuge als auch in Flugzeuge wie die Boeing Stearman und die Fairchild PT-23 eingebaut.

Die Liste der Leichtflugzeuge mit Continental-Motor ist lang. Eine Reihe von Ikonen der Luftfahrtgeschichte sind darunter wie die Piper PA-18, die Cessna 170/172 und die 150/152. Deren moderne Nachfolgerin, die Skycatcher, setzt mit ihrem O-200D die Tradition fort.

Das Bezeichnungssystem ist etwas unübersichtlich, bedingt durch das Nebeneinander von traditionellem System, Standardsystem nach Hubraum und militärischen Bezeichnungen.

Ursprünglich stellte Continental bei der Bezeichnung der Motoren die Leistung (in Horsepower/hp) in den Mittelpunkt.
Der 1931 eingeführte O-40 zum Beispiel konnte 37 hp aufbieten. Der Motor, ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxer, verkörpert den Ausgangspunkt für die erfolgreiche Reihe der Continental-Boxerflugmotoren.
Entsprechend haben die verbesserten Versionen A-50, A-65, A-75 und A-80 eine hp-leistung zwischen 50 und 80 hp. Die zusammenfassende militärische Bezeichnung für diese Reihe lautet O-170, daher findet sich auch diese zuweilen auf Datenblättern.

Kurz nach dem Krieg, im Jahr 1947, brachte Continental seinen vielleicht bekanntesten Flugmotor auf den Markt, den C-90 mit 90 hp. Unter anderem wurden damit die Cessna-Modelle 140A und 150 ausgeliefert und die Piper PA-18 Super Cub. Später übernahm Continental die militärische Bezeichnung O-200.
Das US-Militär wiederum nannte diesen Motor dann O-205, um Verwechslungen mit dem Franklin O-200 zu vermeiden.
Damit fiel der O-200 mit seinen 100 hp und den 201 Kubikzoll Hubraum aus dem bis dahin geltenden Bezeichnungssystem heraus. Dafür ordnete er sich in das Standardsystem nach Hubraum ein.

Das am weitesten verbreitete Modell ist der O-200-A. Das B-Modell ist für Druckpropeller konzipiert und das C-Modell für Verstellpropeller.
Um die Sache weiter zu verkomplizieren, hat Rolls-Royce Continental-Konstruktionen in England unter eigener Zulassung produziert und mit abweichenden Bezeichnungen, beginnend mit „RR“, versehen. So entspricht der RR C90-12FH dem Continental C90-12FH.

Zwischen 1960 und 1981 gab es eine Zusammenarbeit zwischen Continental und Rolls-Royce. In diesem Zeitraum hat Rolls-Royce Continental-Konstruktionen gebaut, beide Firmen haben zudem Gemeinschaftsentwicklungen wie den O-240 und den IO-368 auf den Markt gebracht. Die von Rolls-Royce gebauten Motoren sind an einem vorangestellten „RR“ zu erkennen.
Continental arbeitet, wie Lycoming, seit einigen Jahren an der Ausstattung von Flugkolbenmotoren mit digitaler Steuerung (Full Authority Digital Electronic Control/FADEC). Zugelassene FADEC-Motoren sind der IOF-240 und der IOF-550. Es gibt außerdem eine zugelassene Supercharged-Version mit FADEC, den TSIOF-550.

Angenehm übersichtlich ist das Flugmotorenprogramm von Rotax. Als musterzugelassene Reihen gibt es den 912 und den 914, beides Viertakt-Vierzylinder-Boxermotoren. Hier bezeichnet die „9“ lediglich die Flugmotorenfamilie in Abgrenzung zu den anderen Rotax-Motorenlinien. Die „12“ verweist auf den Hubraum (1211 cm3). „914“ steht für die leistungsverstärkte Weiterentwicklung.
Die nachgestellten Buchstaben geben einen Hinweis auf die Zulassung („A“ = JAR, „F“ = FAA) beziehungsweise auf die Leistungsverstärkung („S“ = Super/Strong). Die daran angehängten Zahlen verweisen auf die Propellereignung („2“ = Festpropeller, „3“ = Verstellpropeller).

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