Reiner Meutsch fliegt von der Mokuti Lodge nach Windhoek
Reiner Meutsch ist von der Mokuti Lodge nach Windhoek weitergeflogen. Wie das Flugtracking-Programms weiter zeigt, dauerte der Flug am Sonntag rund eine Stunde.
Seine Eindrücke auf der Mokuti Lodge beschreibt Meutsch in vielen Details. Beeindruckend ist insbesondere auch die Konfrontation mit der Tierwelt. Lesen Sie seine Erlebnisse im einzelnen:
22. Januar 2010
Während ich an unserem ersten Ruhetag nach 13 Tagen erst um 8 Uhr aufstehe, ist Arnim schon seit 6 Uhr auf den Beinen. Er erkundet die Umgebung unserer Mushara Outpost Lodge. Draußen sind es 20 Grad. Auf 2.500 Hektar steht diese einzigartige Herberge, die 16 Gästen Platz bietet. Angrenzend erstreckt sich über zehn Kilometer das Eingangstor zur Etosha-Pfanne. In diesem Jahr hat sich viel Wasser in der Senke angesammelt.
Wir lernen Marc Pampe (42 Jahre), den deutschstämmigen Inhaber der Mushara Collection, bei einem gemeinsamen Essen kennen. Zu Kolonialzeiten gehörte sein Urgroßvater der deutschen Schutztruppe an. Später wurde er in Namibia sesshaft. Marcs Familie lebt nun schon seit vier Generationen im Land. Seine Frau Marissa ist Südafrikanerin. Sie sind stolz auf ihre Kinder und auf das, was sie beide gemeinsam geschaffen haben: die Mushara Lodge, die Mushara Outpost Lodge und ein Buschcamp.
Die Mitarbeiter der Lodge gehören unterschiedlichsten Volksgruppen an: den Owambo, Herero und Kavango. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, alle sind stolz auf ihren Chef und froh, Arbeit zu haben. Marc weiß um die Sorgen und Nöte seiner Mitarbeiter. Egal ob Helena, Selma, Rose oder einer der anderen Kummer hat, es turbulent in der Familie zugeht oder sie krank sind, sie können auf ihn zählen. Wenn Not am Mann ist, gibt er einen Vorschuss, macht Krankenhausfahrten oder bringt die Kinder in den Kindergarten. Weiße und Farbige leben hier in Harmonie.
Der Internetanschluss in unserer Lodge funktioniert momentan nicht. Ich werde nervös, da zahlreiche FLY & HELP Freunde auf meinen Reiseblog warten. Marc fährt mich deshalb zur zehn Kilometer entfernten Nachbarlodge. Hier funktioniert es. Ich spüre, wie abhängig man mittlerweile von diesem Medium geworden ist. Kein gutes Gefühl.
Dann geht es mit William, dem Wildführer, hinaus in die Etosha-Pfanne. Das Territorium beläuft sich auf ein Gebiet von über 4.000 Quadratkilometern. Eine vier Stunden-Tour durch den Wildpark wird für 40 Euro angeboten. Der Park hat eine Ausdehnung von 130x80 Kilometer und ist der Lebensraum von 15.000 Zebras, 7.000 Giraffen, 4.000 Elefanten, 800 Löwen und Tausenden anderen Tieren. Sehr grün ist es hier, denn in den letzten Wochen hat es immer wieder geregnet. Das Thermometer zeigt nun 32 Grad und erst am Abend wird es auf angenehme 20 Grad abkühlen. Die Nacht verspricht wieder sternenklar zu werden.
Auf unserem Streifzug versperren uns Giraffen den Weg. Zuerst sind es nur drei, dann fünf, zehn und es werden immer mehr. Hunderte von Zebras lassen sich von dem Motorengeräusch unseres Jeeps nicht stören. Tausende Flamingos geben der wunderschönen Landschaft rosa Farbkleckse. Über der Etosha-Pfanne liegt eine friedliche Stimmung. Es kommen immer mehr Tiere: Springböcke, Kudus, Impalas und Wildschweine. Wir machen Rast, stellen den Motor ab und genießen einfach nur. Arnim drückt es treffend aus: „Ich fühle mich wie im Jurassic Park“.
Morgen früh geht’s um 6 Uhr wieder in den Nationalpark, vielleicht haben wir dann Glück und sehen noch Elefanten und Löwen.
23. Januar 2010
Um 2 Uhr nachts höre ich es das erste Mal, um 5 Uhr gibt es kein Schlafen mehr. Das Brüllen eines Löwen weckt uns alle auf der Lodge. Er kann nur maximal 100 Meter entfernt sein. Ich frage mich, ob er an dem lodgeeigenen Wasserloch ist? Das Brüllen geht durch Mark und Bein. Es gab beim Frühstück nur ein Gesprächsthema: Ein Löwe ist im Camp! Ich will unbedingt zum Wasserloch und der Wildhüter begleitet mich. Außerhalb der direkten Anlage darf nun keiner mehr allein zu Fuß gehen.
Marc erzählt, dass er vor Jahren beim Joggen eine Begegnung mit einer Löwin hatte. 20 Meter trennten die beiden. Auge in Auge standen sie sich gegenüber. Beide hatten Angst. Nach einer Stunde haben seine Mitarbeiter ihn mit dem Jeep aufgenommen. Die Löwin hatte drei Junge und ihr Beschützerinstinkt machte sie unberechenbar. Auf der Nachbarlodge hat der Farmer vor Wochen vier Junge einer Löwenfamilie erschossen. Er hatte Angst, dass die Tiere seine Rinder anfallen. Keine schöne Geschichte.
Nachmittags geht es wieder in den Nationalpark. In der Nähe des großen Sees der Etosha-Pfanne sehen wir erneut Tausende Tiere friedlich beieinander. Ich denke an Hardy Krüger sen., der mir im vergangenen Jahr während der „Mein-Abenteuer-Tour“ allabendlich von seiner ehemaligen „Hatari Lodge“ in Afrika erzählte. Damals verriet er mir auch, dass er das einfache Leben in Afrika sehr vermisst. Ich kann ihn nun gut verstehen.
Dann der große Augenblick: Ein ausgewachsener Elefant steht circa 50 Meter von uns entfernt und nähert sich dem Jeep bis auf zehn Meter. Uns stockt der Atem. Er beäugt uns, wir atmen ruhig und verhalten uns ganz leise. Nach fünf Minuten geht er langsam und nur zwei Meter von unserem Jeep entfernt vorbei. Dabei dreht er sich noch einmal um und hebt den Rüssel, als wollte er sich von uns verabschieden. Die Sonne geht mittlerweile unter und hat den Himmel glutrot gefärbt. Es ist still, kein Wind geht, die Farben wie gemalt … Afrika, Afrika.
Eine Minute bevor der Park schließt, passieren wir die Tore. Mit etwas Wehmut machen wir uns auf zum letzten Abendessen in der Lodge. Morgen starten wir um 9 Uhr und fliegen in 1000 Metern Höhe über Grund gen Süden nach Windhoek, die Hauptstadt Namibias. Hier erwartet uns mein Freund Oliver Braun. Er hat erfolgreich ein Flugsafari-Unternehmen aufgebaut. Die Menschen der Mushara Outpost Lodge werden uns fehlen!
Die erste Etappe der Weltumrundung führte von Siegerland nach Sabadell in Spanien. Foto und Copyright: © aerokurier
HS 25.01.2010
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