Reiner Meutsch erreicht Namibia
Nächste Etappe auf dem Weltflug von Reiner Meutsch für sein Projekt "Fly & Help". Am 21. Januar ging es von Jaunde mit Tankstopp in Luanda bis nach Ondangwa in Namibia. Dann folgte noch eine kurze Etappe zur Mokuti Lodge. Inzwischen ist das Team seit seinem Start in Siegerland fast zwei Wochen unterwegs
Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für aerokurier.de:
Heute wird unser längster Flug in Afrika über eine Distanz von 1.480 NM (2.740 km) führen. Bereits um 08.00 Uhr sind wir am Flugplatz von Jaunde (Kamerun). Arnim hatte den Flugplan um 04.00 Uhr morgens aufgegeben und alle Flugvorbereitungen erledigt. Als wir dann los wollen, verzögert sich der Abflug, weil für die Zahlung der Gebühren keine Euros akzeptiert werden, sondern nur Dollars. Ich suche also die letzen Scheine zusammen und dann nichts wie ab in die Luft. Der Regenwald rund um die Startbahn liegt noch im Nebel, nur die Kronen der Mammutbäume ragen heraus. Wir starten direkt in Richtung Dschungel – ich denke wieder an den King-Kong-Film. Aufgrund der hohen, mit dichten grünen Bäumen umringten Berge müssen wir sofort nach rechts abdrehen und steigen auf 21.000 Fuß.
Da uns Äquatorialguinea den Überflug verweigert, drehen wir in Richtung Küste, um über der Freie-Meilen-Zone das Land zu umfliegen. Hier merkt man wieder Arnims Erfahrung, auch als amerikanischer und deutscher Fluglehrer. Links unter uns liegt Gabun mit seiner Hauptstadt Libreville. Die 800 Kilometer lange Küste wird zum großen Teil von Mangroven gesäumt.
Wir nähern uns dem Äquator, dann plötzlich zeigt unser GPS 00:00:00 an und kurz darauf S 00:00:04. Wir sind auf der südlichen Halbkugel! In den nächsten zehn Monaten überfliegen wir insgesamt noch fünf Mal den Äquator.
Nach einiger Zeit erreichen wir die Republik Kongo und überfliegen den dichten grünen, unwegsamen Dschungel dieses westafrikanischen Landes. Wir sehen den riesigen Fluss Kongo und denken beide bestimmt dasselbe: nun bloß keinen Motorausfall!
Die heutige Etappe ist sehr lang, weshalb wir in Luanda, der Hauptstadt Angolas, einen Tankstopp einlegen. Es muss schnell gehen, da der Flugplatz unseres Ziellandes in Namibia bereits um 17 Uhr schließt, wir aber von dort noch weiter zur Lodge fliegen wollen. Aus geplanten 60 Minuten Aufenthalt werden zwei Stunden und wir erhalten die Info, dass Namibia uns die Einreise nicht mehr erlaubt. Der Flughafen von Ondangwa wird pünktlich schließen! Marissa, Arnims Frau, die in Deutschland unsere Flüge koordiniert, ruft direkt bei der Einreisestelle in Namibia an. Dank ihres philippinischen Charmes schafft sie es, dass der Flugplatz für uns geöffnet bleibt!
Wir sinken über Angola auf eine Höhe von 8.000 Fuß und genießen die Bilderbuchlandschaft: Out of Africa! Bis auf eine Höhe von 35.000 Fuß türmen sich vereinzelt riesige Gewitter vor uns auf. Wir umfliegen oder überfliegen dieses Naturschauspiel mit dem nötigen Abstand, der Piper Cheyenne sei Dank. Die Luft ist klar, und wir können kilometerweit in alle Richtungen schauen.
Gegen 18.20 Uhr erreichen wir den Eingangsflughafen Ondangwa in Namibia. Alles muss jetzt besonders schnell gehen, da wir noch zur Mushara Outpost Lodge weiterfliegen wollen. Hier in Afrika geht die Sonne schon um 19.30 Uhr schlagartig ohne lange Dämmerungsphase unter. Bei Dunkelheit in der Wildnis zu landen, wäre verantwortungslos. Alle machen Tempo und jeder bemüht sich, dass wir „wegkommen“. Ich starte das Triebwerk um genau 19.10 Uhr. Nur fünf Minuten später und wir hätten eine unfreiwillige Zwischenübernachtung einlegen müssen. Auf geht es also weitere 90 NM (167 km) gen Süden, bei zirka 1.000 Fuß über afrikanischem Grund. Von Norden kommend fliege ich unsere Cheyenne direkt über die Etosha-Pfanne und zeige Arnim die Eingangstore und die Wasserstellen mit den darum versammelten Tieren. Es herrscht kaum Wind, und wir fliegen in einen Sonnenuntergang ganz nah über der phantastischen Landschaft. Was für ein Moment! Mir kommen nun doch die Tränen: Afrika, so wie man es sich vorstellt.
Es folgt der Anflug auf die Landebahn der Mokuti Lodge, rund sieben Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Nach 700 Meter Asphalt nur noch Sand. Ich bin hochkonzentriert und fliege links am Platz vorbei, damit Arnim sich noch mal die Gegend anschauen kann und sich absichert, dass kein Wild auf der Landebahn ist. Dann kommt der Endanflug: auf die Stall Speed (Überziehgeschwindigkeit) achten, direkt auf den ersten zehn Metern sanft aufsetzen und „Autoreverse“ an. Nach 500 Metern steht das Flugzeug. Arnim ist ganz Fluglehrer und lobt die seiner Meinung nach „perfekte Landung“. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen und wir können mit Mühe noch unsere Koffer und Taschen erkennen.
Die Eckdaten der siebten Etappe
Jaunde, Kamerun (FKYS) - 3° 52′ 0″ N, 11° 31′ 0″ ELuanda, Angola (FNLU) - 8° 50′ 0″ S, 13° 15′ 0″ E
Ondangwa, Namibia (FYOA) - 17° 54′ 32.74″ S, 15° 58′ 32.59″ E
Flugzeit: 7 Stunden
Distanz: 1.480 NM (2.740 km)
Die erste Etappe der Weltumrundung führte von Siegerland nach Sabadell in Spanien. Foto und Copyright: © aerokurier
HS 21.01.2010
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