Fly&Help Weltflug: Etappe von New York nach Toronto
Auf ihrem Weltflug für die Fly&Help-Stiftung haben Reiner Meutsch und Arnim Stief New York verlassen. Etappenziel an diesem Tag ist Toronto.
Reiner Meutsch schildert seine Reiseeindrücke beim Flug um die Welt für die Leser von aerokurier.de
22. Oktober 2010
Das geht ja gut los heute Morgen. Wir stecken mitten im Berufsverkehr fest. Die halbe Stadt ist auf den Beinen und unser Taxi bewegt sich nur mit Schrittgeschwindigkeit durch die Blechlawine. Fast zwei Stunden vergehen, bis wir den Stadtflughafen nördlich des J. F. Kennedy Airport erreichen. Arnim lässt sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen und erledigt geduldig die umfangreichen Formalitäten, da wir heute die USA verlassen. Mit den Fluglotsen stimmen wir das Prozedere für einen Besichtigungsflug rund um die Freiheitsstatue vorbei an Manhattan und über dem Hudson River ab.
Gegen 12 Uhr mittags ist alles geklärt. Sofort nach dem Start erhalten wir vom Tower die Anweisung, uns bei den Lotsen des JFK-Airports zu melden. In gut 500 Fuß Höhe fliegen wir in unmittelbarer Nähe des riesigen Geländes und sehen am laufenden Band Starts und Landungen diverser Linienflugzeuge: Delta, United, American, Air Canada und viele mehr. Ein faszinierender Anblick.
In ungefähr 15 Kilometern Entfernung zeigt sich rechter Hand schon die Sykline von Manhattan. Mit 120 Knoten nähern wir uns ganz langsam, nutzen jeden kostbaren Moment. Ich möchte die Zeit anhalten, so schön ist es. Nach nur fünf Minuten ist die „Lady“ erreicht: die Freiheitsstatue. Das Symbol für Freiheit und Menschlichkeit scheint zum Greifen nah.
Wir haben nun eine Flughöhe von 1.000 Fuß (etwa 300 Meter) erreicht. Gute 500 Fuß tiefer sind Helikopter unter uns, die hier ebenfalls kreisen. Dreimal umfliegen wir die Statue und ich kann gar nicht genug bekommen von diesem Anblick. Während der vergangenen Monate haben Arnim und ich oft von diesem Moment gesprochen, daraufhin gefiebert und nun wird der Traum wahr. Arnim fotografiert voller Begeisterung – über 150 Mal klackert der Auslöser. Parallel dazu gibt er ständig Positionsmeldungen an den Tower durch. Ich fliege hochkonzentriert. Dank der gesetzten Landeklappen liegt die Cheyenne relativ stabil, obwohl wir 25 Knoten Wind haben.
Noch einmal Manhattan: Rechts klafft unübersehbar die Wunde New Yorks, der „Ground Zero“. Dann geht’s auf 1.000 Fuß über den Hudson River, auch hier wieder viele Helikopter. Im Cockpit ertönt dazu eine warnende Computerstimme: „traffic, traffic“. Arnim, Michael und ich sind jetzt äußerst wachsam und beobachten unablässig den Luftraum. Es folgen das Empire State Building, der Central Park und Harlem, bevor wir New York City in Richtung Nordwesten verlassen.
Schon bald breiten sich buntschillernde Herbstwälder in allen nur erdenklichen Gelb-, Rot und Grüntönen unter uns aus. Dazwischen hunderte kleinere und größere Seen.
Eine gute Stunde später sind die Niagarafälle, an der Grenze zwischen dem US-amerikanischen Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario, erreicht. Mehrmals kreise ich mit der Cheyenne über den Wassermassen. Der Begriff „Niagara“ bedeutet in der Sprache der Indianer so viel wie „donnerndes Wasser“. Es sind die größten Fälle, die ich je gesehen habe.
Der Niagara Fluss stürzt an dieser Stelle 58 Meter in die Tiefe. Oberhalb des Falls teilt die sogenannte Ziegeninsel den hinab rauschenden Fluss in zwei Hälften, einen US-amerikanischen und einen kanadischen Teil. Arnim und ich klatschen uns ab: wieder ein Tag voller fliegerischer Highlights.
Direkt an den Fällen erkenne ich jede Menge Appartements und Hotels, viele kleine Schiffe fahren mit den Touristen bis an das tosende Wasser. Für uns geht es jedoch weiter über den Ontariosee nach Toronto, die Hauptstadt der kanadischen Provinz Ontario.
Nach der Landung wird unsere Maschine unter den wachsamen Augen der kanadischen Beamten gründlich durchsucht – keine Beanstandungen, wie zu erwarten. Alle sind freundlich und hilfsbereit.
Wir bleiben für zwei Tage in der Stadt und wollen auch die Umgebung Torontos erkunden. Morgen geht’s los.
New York (KFRG) – 40° 42′ 46″ N, 74° 0′ 21″ W
Toronto (CYKZ) – 43° 39′ 40.86″ N, 79° 22′ 59.11″ W
Distanz: 388 NM
Flugzeit: 2,5 Stunden
Lagebesprechung vor dem Abflug: Reiner Meutsch und Arnim Stief an der Piper Cheyenne. Foto und Copyright: Stiftung Reiner Meutsch / Fly&Help
HS 25.10.2010
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