Fly&Help: Von Toronto nach Kingston
Für das Fly&Help-Team Reiner Meutsch und Arnim Stief heißt das Etappenziel heute Kingston.
Auf ihrer Reise rund um die Welt gehen die beiden Fly&Help-Piloten auf die Zielgerade. Derzeit sind sie in Kanada unterwegs, von dort aus führt der Weg dann über den Atlantik wieder in Richtung Heimatbasis Siegerland. Reiner Meutsch beschreibt seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de
Tag 165, 25. Oktober 2010
Entgegen der letzten Vorhersagen ist das Wetter zum Abschied in Toronto ausgesprochen gut. Vormittags starten wir vom Westufer des Ontariosees in Richtung Norden ins 200 Kilometer entfernte Kingston.
Nach Russland ist Kanada mit einer Fläche von knapp einer Million Quadratkilometern das zweitgrößte Land der Erde. Es hat die längste Küstenlinie der Welt und 90 Prozent seiner Landfläche sind unbewohnt. Ein Großteil der rund 34 Millionen Einwohner lebt in den Provinzen Ontario und Québec – die wir heute wieder und auch in den kommenden Tagen nicht nur aus der Vogelperspektive genießen dürfen.
Kanadas Landschaft ist nach allem, was wir bisher auf unseren Flügen sehen konnten, berauschend schön und sprengt für uns Europäer jegliche Vorstellungskraft hinsichtlich der schier unendlichen Weite. Wir können auf unserer FLY & HELP-Weltumrundung wahrlich nur einen verschwindend geringen Teil der Natur, der Artenvielfalt und der Kultur dieses reizvollen Landes erkunden. Doch schon während dieser wenigen Tage könnten die Kontraste nicht größer sein: Wolkenkratzer, Hightech und Geschäftswelt prallen auf kleine Siedlungen, Stille und Wälder – soweit das Auge reicht.
Nach einer Stunde Flugzeit, weitestgehend in 700 Metern Höhe, erreichen wir den Flughafen von Kingston am Ontariosee. Ein Taxi bringt uns in gut 15 Minuten Fahrt zum Hotel „Holiday Inn Kingston-Waterfront“. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt ist eine der ältesten Kanadas und besonders bekannt für ihre vielen historischen Kalksteingebäude: darunter auch der Campus der angesehenen Queen‘s University. Touristisch reizvoll ist die Region vor allem aufgrund der „Thousand Islands“ an den Anfängen des Sankt-Lorenz-Stroms. Die Inselgruppe besteht aus über 1.700 kleineren und größeren Inseln. „Wolfe Island“ ist die Hauptinsel.
Tag 166, 26. Oktober 2010
Kingston liegt am Südende des „Rideau Canal“, einer gut 200 Kilometer langen Wasserstraße, die bis in die Bundeshauptstadt Ottawa führt. Ursprünglich wurde der Kanal als Versorgungsweg für militärische Zwecke im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 geplant und gebaut. Heute wird er jedoch nur noch touristisch genutzt. Bootsfahrten werden angeboten und entlang der Strecke gibt es zahlreiche Wander- und Radwege. Schiffe überwinden auf der gesamten Strecke ganze 84 Höhenmeter und 47 Schleusen an 24 verschiedenen Haltepunkten. Wenn das Wasser im Winter zufriert, zieht es unzählige Schlittschuhläufer auf die Eisfläche. Sicher ist dann auch der ein oder andere Hockeyspieler am Start. Denn lange Zeit wurde Kingston als Geburtsstätte des Eishockeys gehandelt. Der Tagebucheintrag eines britischen Offiziers aus dem Jahr 1843 soll diese These unterstützen. Er habe vermerkt: „Man hat viel Spaß bei Hockey auf dem Eis.“ Aber egal, wo die Wiege des Sports nun wirklich liegt, stolz sind die Einwohner allemal.
Zu Fuß erkunden wir die Stadt und staunen über die „Limestone-City“, Kingstons Beiname, der sich auf den Kalkstein bezieht. Noch freuen wir uns über Temperaturen von 18 Grad – erwarten uns doch am Nordpolarmeer fünf bis zehn Grad unter Null. Auf einem Parkplatz in der Innenstadt treffen wir auf Martina, eine Düsseldorferin auf Weltreise. Sie erzählt uns, dass sie zusammen mit ihrem Mann seit einem halben Jahr in einem Man-Truck unterwegs ist. Zwei Jahre Zeit haben sie sich für die Reise genommen. Wir tauschen Kontaktdaten aus und ich lade sie schon heute zu meiner RPR1-Radiosendung ein. Ich bin mir sicher, es gibt viel zu erzählen, wenn sie wieder zurück in Deutschland sind.
Für uns geht es morgen weiter nach Québec. Bon Voyage!
Die Etappe im Detail:
Toronto (CYKZ) – 43° 39′ 40.86″ N, 79° 22′ 59.11″ W
Kingston (CYGK) – 44° 13′ 53″ N, 76° 29′ 5″ W
Distanz: 120 NM
Flugzeit: 1 Stunde
Lagebesprechung vor dem Abflug: Reiner Meutsch und Arnim Stief an der Piper Cheyenne. Foto und Copyright: Stiftung Reiner Meutsch / Fly&Help
HS 27.10.2010
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