Fly & Help: Von Taipeh nach Nagasaki
Reiner Meutsch und Arnim Stief haben Kurs auf Japan genommen. Ziel des Fly & Help Weltfluges auf dieser Etappe ist der Airport von Nagasaki.
Reiner Meutsch schildert seine Erlebnisse und Eindrücke für die Leser von aerokurier.de
Taipeh (RCTP) – 25° 2′ 0″ N, 121° 32′ 0″ E
Nagasaki (RJFU) – 32° 45′ 1″ N, 129° 52′ 40″ E
Distanz: 743 NM
Flugzeit: 3,5 Stunden
Tag 89, 10. Juni 2010
Zum Abschied regnet es heute Morgen in Taipeh. Es ist feucht-warm, die Luft ist stickig und wir machen uns im Taxi auf den Weg zum internationalen Flughafen. Dort angekommen überbringt uns der Handling Agent der China Airlines Yvonne Wenig eine frohe Botschaft: Wir bekommen 50 Prozent Erlass auf die Handling-Gebühr. Von Deutschland aus hatte Marissa ein Schreiben verfasst, das den Chinesen den Zweck unserer Reise erklärte. Daraufhin zeigte sich China Airlines erkenntlich und möchte uns mit dieser Geste unterstützen.
Für die heutige Flugstrecke haben wir 723 NM berechnet. Anfangs ist es sehr unruhig, da wir in ein Schlechtwettergebiet über dem Chinesischen Meer geraten sind. Für die Ankunft in Nagasaki sind jedoch schon wieder Sonnenschein und 27 Grad Wärme vorhergesagt.
Die Küste Japans überrascht uns mit ihrer gebirgig grünen, sehr abwechslungsreichen Landschaft. Ein bisschen wie an der Côte d’Azur. Zudem ragen viele kleine Inseln vor der Küste aus dem Wasser.
Der Flughafen von Nagasaki liegt mitten im Meer auf der Insel Minoshima, die extra dafür künstlich erweitert wurde. Ich bringe die Piper in Parkposition und sie scheint der einzige Flieger in diesem Teil des Geländes zu sein. Weil nichts los ist, geht die Abfertigung zügig über die Bühne, die Handling-Gebühren sind allerdings saftig. Sie übertreffen die taiwanesischen Preise bei weitem. Unser Agent ist Deutscher, Peter heißt er, ist hochprofessionell und sehr sympathisch.
Auch der Preis für unsere 30 Minuten dauernde Taxifahrt hat sich gewaschen. 11.000 Yen (ca. 100 Euro) reiche ich dem Fahrer. Die Taxen hier in Japan sind wirklich die teuersten der Welt.
Nagasaki im Süden Japans ist eine Stadt mit trauriger Vergangenheit. Am 9.August 1945 haben die Amerikaner eine Atombombe über der Stadt gezündet. Die sogenannte „Fat Man“ riss 34.000 Menschen der 200.000 Einwohnern in den Tod. An den Folgen der Verstrahlung starben 140.000 Menschen.
Beim Abendspaziergang durch die kleinen engen Gassen der Stadt fällt uns die Ruhe auf. Die Menschen hasten nicht, die Autos hupen nicht, alles vollzieht sich besonnen und harmonisch. Wir sind fasziniert von dieser Gelassenheit, die die Stadt und ihre Menschen ausstrahlen. Zaghaft kommen wir mit einer kleinen Gruppe Japaner ins Gespräch, wobei von einem Gespräch im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein kann, mehr oder weniger funktioniert alles über Gesten. Auch auf Englisch ist es schwierig, denn sie sprechen es kaum und wir können ihre Zeichen nicht lesen, als sie uns den Weg auf einer Informationstafel zeigen wollen.
Für die kommenden Tage wohnen wir im JAL City Hotel, das mein Geschäftsfreund Johannes Frangenberg für uns organisiert hat. Mit ihm habe ich viele Jahre bei Berge & Meer zusammengearbeitet. Die Unterkunft bekommen wir kostenfrei über seine Firma JF Tours gestellt, die auf Japan-Reisen spezialisiert ist. Johannes ist selbst Pilot und unterstützt unsere Weltumrundung deshalb mit besonderer Leidenschaft.
Tag 90, 11. Juni 2010
Heute starten wir den Tag mit einer Stadtrundfahr, die uns auch zum Nagasaki Atomic Bomb Museum führt. Wir sind ergriffen und erschütternd zugleich von all den Informationen und Bildern. Es ist zu lesen, dass die Bombe an jenem Augusttag vor 65 Jahren genau um 11.02 Uhr gezündete wurde, 500 Meter über der Stadt. Allein die Hügel rund um Nagasaki verhinderten, dass noch mehr Menschen starben.
Im Friedenspark zeigt eine riesig hohe Statue die Richtung an, aus der der Flieger damals das Unheil brachte. Viele Schulgruppen stehen andächtig vor dem 9,7 Meter hohen Friedenssymbol. Und auch wir.
Weiter geht es mit der Nagasaki Ropeway, einer Seilbahn, die uns auf die höchste Erhebung der Hafenstadt bringt. Von hier oben genießen wir eine einmalig schöne Aussicht. Am späten Nachmittag besuchen wir verschiedene kleine Tempel wie zum Beispiel den Sofukuji und Kofukuji Tempel. Stätten der Ruhe und des Friedens.
Zum Tagesausklang suchen wir uns ein nettes Lokal im chinesischen Viertel, direkt hinter unserem Hotel. Morgen haben wir wieder viel vor. Es ist mein Geburtstag und ich freu mich wahnsinnig, die fast 2.000 Kilometer vom Süden bis in den hohen Norden Japans zu fliegen. Und das gern möglichst tief, aufgrund der schönen Sicht – wenn die Flugsicherung mitspielt …
HS 16.06.2010
Kommentare
aerokurier Markt
Weitere Inhalte
Alle Inhalte zu Piper Cheyenne I - Weltflug Reiner Meutsch
Reiner Meutsch absolviert spektakulärste Landung seines LebensWeltflug von Reiner Meutsch: Über die Datumsgrenze nach AlaskaFly and Help: Von Japan nach PetropawlowskFly & Help: Von Laoag nach TaipehFly & Help: Von Davao nach Laoag CityWeltflug von Reiner Meutsch - Ambon - DavaoFly & Help: Von Jayapura nach Ambon A400M schafft VereisungstestsILA: „reibungsloser Veranstaltungsbetrieb“ mit SondergenehmigungenNATO kauft endlich AGSSechs Nationen bergen „Fliegende Schwergewichte“Superjet 100: Suche nach Flugschreiber geht weiterATR 72 kommt in München von der Piste abBER-Eröffnung verschiebt sich auf „17. März 2013“ Bild der Woche: Blackburn SkuaBild der Woche: Grumman F6F HellcatFriedrichshafen feiert 100 Jahre WasserflugzeugbauBild der Woche: Hawker Sea Fury T. Mk. 20Spitfire-Trainer in Bremgarten notgelandetBild der Woche: Vickers WarwickErste „deutsche“ Bell UH-1D im Dornier Museumaerokurier online-Markt
Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:
AKTUELLES HEFT (05/2012)
- Rotax 912 iS
- Tracking-Systeme
- Radarfalle in Bonner Platzrunde
- Ibis Magic
- Reisen zu Bahamas und nach Alaska
Abonnements Heft-Archiv Einzelheft bestellen
VEREINSPORTAL: die 5 neusten Vereine
|
|
Luftsportgruppe Weißenhorn e.V. |
|
|
|
SV Wacker Burghausen - Abteilung LuftsportEs ist ein Menschheitstraum, die Arme wie Flügel auszustrecken, es den Vögeln gleichzutun, und... mehr |
|
|
|
FSV Halle-Oppin e.V.Der Flugsportverein Halle-Oppin ist am gleichnamigen Flugplatz, ca. 10 km nördlichvon Halle an der... mehr |
|
|
|
Aeroclub SüdthüringenWir sind ein kleiner Verein der sich ganz der Ultraleichtfliegerei verschrieben hat. Ein mal im Jahr... mehr |
|
|
|
Luftsportverein Laucha-Dorndorf e.V.... wird nach gereicht mehr |
Hersteller
|
|
Piper J-3C Cub - Jeder kennt sie, jeder mag sie |
|
|
Cessna Citation Ten - Technologieträger und Aushängeschild |
|
|
Jodel -Leichtflugzeuge - Die hohe Kunst des Holzflugzeugbaus |
|
|
Start frei für die aerokurier iPad-App! - Seit Ende Januar 2012 gibt es im Apple AppStore den aerokurier als App. Die Ausgabe 1/2012 steht als... |
|
|
Waldkalkung im Erzgebirge mit M-18A Dromader - Waldarbeiter mit 1000 PS |
|
|
Cessna CJ1+ bis CJ4 - Cessnas CJ-Modelle gehören zu den populärsten Leichtjets |
FRAGE DES MONATS
Welches Thema hat Ihnen im aerokurier 05-2012 am besten gefallen?
Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.







