Fly & Help: Von Quebec nach Iqaluit
Das Fly & Help Team steht kurz vor dem Rückflug von Nordamerika nach Europa. Die Etappe an diesem Tag führt von Quebec nach Iqaluit.
Reiner Meutsch schildert seine Reiseeindrücke für die Leser von aerokurier.de
Tag 169, 29. Oktober 2010
Heute gehen wir es entspannt an und bereiten uns in aller Ruhe auf unsere Reise zum Nordpolarkreis vor. Morgen erwartet uns ein langer Flug. Kameramann Andreas nutzt derweil das gute Wetter in Québec und produziert einen Teil seiner n-tv-Reportage über unsere Weltumrundung.
Québec (CYQB) – 46° 48′ 58″ N, 71° 13′ 27″ W
Iqaluit (CYFB) – 63° 45′ 0″ N, 68° 33′ 0″ W
Distanz: 1.100 NM
Flugzeit: 6 Stunden
Tag 170, 30. Oktober 2010
Fast 2.000 Kilometer weit wird uns die Cheyenne heute von Québec bis nach Iqaluit im Norden Kanadas fliegen. Zum Start erlaubt die Flugsicherung einen tiefen Überflug über Québec-City und den Montmorency-Fall. Anfangs lässt die Wetterlage es zu, tief zu fliegen. Wenig später müssen wir jedoch auf 19.000 Fuß steigen.
Langsam dünnt sich das Gebiet unter uns immer weiter aus. Es gibt kaum noch nennenswerte Siedlungen, nur zwei größere Ortschaften liegen auf der gesamten Route unter uns. Dafür kann ich unendlich viele Seen und Flüsse mit Stromschnellen erkennen.
Nach fast vier Stunden Flug legen wir einen Zwischenstopp zum Tanken in Kuujjuaq ein, der größten Inuit-Siedlung im Norden der Provinz Québec. Alle Handgriffe sitzen und die Abwicklung läuft unkompliziert. Es fallen keine Gebühren an und für das Bezahlen des recht teuren JET 1 A (2 US-Dollar pro Liter) kann ich die Kreditkarte nutzen und muss die Bargeldreserven nicht antasten.
Nach einer Verschnaufpause nehmen wir Kurs auf Iqaluit. Wieder ist die Landschaft unter uns geprägt von seereichem Gebiet. Iqualit ist die Hauptstadt des Territoriums Nunanvut und liegt auf der größten kanadischen Insel, der Baffininsel. Es ist schon richtig kalt hier und in einem Monat werden die Temperaturen in den Nächten auf minus 25 Grad sinken.
Gegen 16 Uhr taucht in der Ferne unser heutiges Etappenziel Iqaluit auf. Es geht kaum Wind bei der Landung. Der Flughafen ist gut ausgebaut und schließt sich an die Siedlung an. Es ist dunkel und wir haben aktuell fünf Grad unter Null. Draußen höre ich keinen Laut, der Ort scheint schon zu schlafen. Gegen 21 Uhr knipse ich das Licht in unserer Unterkunft, der 3-Sterne-Herberge „Capitol“, aus und gehe schlafen.
Tag 171, 31. Oktober 2010
Iqaluit bedeutet „Ort mit viel Fisch“ und liegt im Süden der Baffininsel. Von den 7.250 Einwohner des Ortes gehören gut 85 Prozent der Volksgruppe der Inuit an. Ihre Vorfahren waren schon vor 4.000 Jahren in der Region ansässig. Die Siedlung liegt an der Frobisher Bay und entwickelte sich im Jahr 1942 aus einem Luftwaffenstützpunkt der USA. 1963 ging dieser dann in den Besitz der kanadischen Luftwaffe über.
Martin Frobisher entdeckte Ende des 16. Jahrhunderts als erster Europäer die später nach ihm benannte Bucht. Bis ins 19. Jahrhundert hinein fanden immer wieder Forscher, Händler, Walfänger und Missionare den Weg in diese verlassen wirkende Gegend.
Arnim, Andreas und ich packen uns warm ein und machen uns auf, Iqualit zu erkunden. Fast zugefroren ist das Wasser an der Küste und von der höchsten Erhebung des Ortes genießen wir die Einsamkeit und Urtümlichkeit der Region. Im Gespräch mit Einheimischen werden wir dazu angehalten, uns allein nicht zu weit von der Stadt zu entfernen. Denn Eisbären sind hier eine ernsthafte Bedrohung.
Morgen gegen 10.30 Uhr Ortszeit werden wir den letzten großen Kontinent vor Europa auf unserer FLY & HELP-Weltumrundung verlassen. Es geht weiter nach Kangerlussuag auf Grönland. Knapp drei Stunden wird der Flug dauern,
Lagebesprechung vor dem Abflug: Reiner Meutsch und Arnim Stief an der Piper Cheyenne. Foto und Copyright: Stiftung Reiner Meutsch / Fly&Help
HS 01.11.2010
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