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Fly & Help: Von Davao nach Laoag City

Meutsch Davao Laoag

Bei seinem Weltflug für die Stiftung Fly& Help hat das Team Laoag City erreicht.

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die Leser von aerokurier-online

Davao City (RPMD) – 7° 4′ 20″ N, 125° 36′ 25″ E
Laoag City (RPLI) – 18° 11′ 56″ N, 120° 35′ 37″ E
Distanz: 840 NM
Flugzeit: 4 Stunden

Tag 84, 05. Juni 2010
Nach 72 Stunden Reisestrapazen ist Arnims Frau Marissa heute Morgen endlich in Davao gelandet. Drei Nächte im Flugzeug haben sie ganz schön geschlaucht und unser heutiges Tagesprogramm wird sein übriges tun. Auch ich freue mich Marissa persönlich wiederzusehen, haben wir doch meist nur über E-Mail oder Telefon Kontakt. Von Deutschland aus arbeitet sie quasi täglich als Flugleitstelle für uns und hat alle wichtigen Genehmigungen rund um die Flüge im Blick.

Für unseren Aufenthalt auf den Philippinen hat sie außerdem den Kontakt zu Maria Luisa Bermudo von der hiesigen Gesundheitsbehörde geknüpft. Frau Bermudo begleitet uns heute zu verschiedenen Schulprojekten und wird zwischen uns und den Organisatoren vermitteln.

In einem Konvoi von drei Fahrzeugen der UN und von UNICEF geht es zunächst in das Schulheim  Balay Dangupau, in dem sich die Mitarbeiter um 26 missbrauchte Mädchen im Alter von drei bis 16 Jahren kümmern. Zur Begrüßung singen die Kinder für uns Lieder und ein jedes nimmt unsere Hand und führt sie zur Stirn, was als ein Zeichen der Achtung gilt.  

In Gesprächen mit den Mädchen und der Heimleiterin Sin Joa erfahre ich viel über ihr Schicksal. Besonders betroffen, traurig und wütend zugleich bin ich über die Geschichte der kleinen Julia. Vor vier Monaten wurde sie von 13 Männern missbraucht und anschließend mit 40 Messerstichen verletzt. Im Glauben sie sei tot, ließen ihre Peiniger das Mädchen in einer Hütte zurück. Schwerverletzt schleppte sich Julia auf die Straße und wurde in letzter Minute gerettet. Dem unglaublichen Lebenswillen des Kindes ist es zu verdanken, dass sie heute bei uns ist. Julia erzählt auch von ihrer Mutter, die vor einem Jahr gestorben ist und der sie versprechen musste nie aufzugeben, egal was kommt. Ich ringe mit mir selbst und kämpfe um Fassung, trotzdem steigen mir Tränen in die Augen.

Die Mädchen sind schwer traumatisiert. Nach Auskunft der Heimleiterin ereigneten sich 90 Prozent der Missbrauchsfälle in den Reihen der eigenen Familie. Im täglichen Ringen um Normalität muss das Schulheim von der Polizei bewacht werden, denn immer wieder kommt es zu Entführungsversuchen durch Familienmitglieder.

Innerlich aufgewühlt machen wir uns im Anschluss auf den Weg in ein Heim für Straßenkinder. Auch hier merke ich, wie bemüht die Mitarbeiter sind, um den zur Adoption freigegebenen Kindern ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Der kleine Jasper zum Beispiel wurde als 2-jähriger in den Straßen Davaos ausgesetzt. Nun wartet er wie viele andere Mädchen und Jungen auf ein neues Zuhause.

Unsere dritte Station an diesem Tag ist das Heim Lampag Sa Kubataan für schwererziehbare und in die Kriminalität abgerutschte Kinder und Jugendliche. Die jüngsten sind gerade einmal vier Jahre alt und die ältesten 16. Freundlich begrüßen sie uns und geben stolz ihr sehr gutes Englisch zum Besten. Die Heimleitung legt viel Wert auf einen guten Umgangston und die Ausbildung ihrer Schützlinge. Nach anfänglicher Schüchternheit entwickeln sich kleine Gespräche und ich habe das Gefühl, dass es ihnen gut tut und für Abwechslung sorgt.

Die Situation ist für alle nicht ganz einfach, denn wie uns Betreuerin Liwayway Caligdong erzählt, wird zwei Jungen sogar Mord angelastet. Ein neunjähriger Straßenjunge habe ein anderes Kind mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt. Eine verstörende Vorstellung.

Mittlerweile ist es Abend geworden und wir müssen erst einmal alles verarbeiten und für uns persönlich einordnen. Ich bin mir aber schon jetzt sicher, dass wir über die FLY & HELP-Stiftung auf jeden Fall das Schulheim Balay Dangupau unterstützen werden.

Tag 85, 06. Juni 2010
Mit all den Geschichten im Kopf habe ich letzte Nacht nur schwer in den Schlaf finden können. Immer wieder waren da Julia und Jasper. Auch an meine Familie habe ich gedacht, meine Mutter, meine Frau und die Kinder, unsere Freunde. Ich bin froh, dass wir uns haben und aufeinander achtgeben. Dass ich mit diesem Gefühlschaos nicht allein bin, erfahre ich von Marissa, Arnim und Wolfgang heute Morgen.  

Für uns geht es nach dem Frühstück bei allerbestem Flugwetter in den Norden der Philippinen nach Laoag. Hunderte, ja wenn nicht gar Tausende Inseln sehen wir unter uns. Was für eine Landschaft! In 1.000 Fuß Höhe überfliegen wir Boracay, die Insel auf der Armin und Marissa vor 16 Jahren gelebt und gearbeitet haben. Arnim übernimmt nun das Steuer und umkreist „seine“ Insel. Er ist sehr glücklich. Als Gruß an die alte Heimat macht er in 300 Fuß über der dortigen Landebahn einen „Low Approach“ (tiefen Anflug ohne dabei aufzusetzen). Der Tower-Lotse begrüßt uns mit: „Wow, what a nice plane!“.

Immer weiter gen Norden führt die Route vorbei an der Millionenstadt Manila und kurze Zeit später am Vulkan Pinatubo. Spät nachmittags landen wir in Laoag City. Marissa übernimmt heute die Organisation der Abwicklung und klärt alles rasch mit ihren philippinischen Landsleuten.

Wir wohnen für zwei Tage im Fort Ilocandia. Einem Hotel aus Präsident Marcos Zeiten, direkt am Meer gelegen. Gebucht haben wir über www.hotelscombined.com für 45 Euro pro Zimmer (inkl. Frühstück). Es ist 19 Uhr abends, 28 Grad warm und ich ziehe mich für ein paar Momente der Ruhe zurück.

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Anflug auf Hamilton mit der Fly and Help Cheyenne. Foto: Stiftung Fly & Help

Alle Infos zu: Piper Cheyenne I - Weltflug Reiner Meutsch

10.06.2010

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