Fly & Help: Über den Atlantik nach Grönland
Reiner Meutsch und Arnim Stief haben mit der Piper Cheyenne die erste Etappe ihrer Atlantiküberquerung absolviert. Von Iqaluit führte der Kurs nach Grönland.
Reiner Meutsch beschreibt für die Leser von aerokurier.de seine Eindrücke und Erlebnisse während des Fluges
Die Etappe in Zahlen:
Iqaluit (CYFB) – 63° 45′ 0″ N, 68° 33′ 0″ W
Kangerlussuaq (BGSF) – 67° 0′ 36″ N, 50° 42′ 0″ W
Distanz: 475 NM
Flugzeit: 2,5 Stunden
Tag 172, 1. November 2010
Bei minus sechs Grad Außentemperatur starte ich in Iqaluit die Triebwerke der Cheyenne und auf geht’s Richtung Grönland. Nach einer Stunde Flug lassen wir die Grenzen Kanadas hinter uns und erreichen die Davisstraße, eine Meerenge zwischen der Baffininsel und Grönland. Hohe Wellen peitschen unter uns auf und vermitteln einen nicht unbedingt einladenden Eindruck. Wir sehen die ersten von Wind und Wetter getriebenen, bizarr geformten Eisberge.
Arnim unterhält Andreas und mich derweil mit spannenden Geschichten aus seinem Berufsleben als Ferry-Pilot. Über 100 Mal ist er die Route über den Atlantik mit vielen verschiedenen Kleinflugzeugen bereits geflogen. Ich höre begeistert zu. Kein Flug gleicht dabei dem anderen – immer warten neue Herausforderungen auf ihn. Als er darauf zu sprechen kommt, dass in einem Jahr einmal vier Überführungspiloten samt ihrer Maschinen verschollen sind, werde ich ganz still und nachdenklich.
Bei einer Fernsicht von rund 200 Kilometern kann ich nach der Hälfte der Flugstrecke schon Grönland erkennen. Beim Blick zurück sehe ich noch die Küste Kanadas. Immerfort gibt Arnim jetzt Blindmeldungen über unsere Position ab, denn die Fluglotsen sind nicht mehr erreichbar. Erst gut 45 Minuten vor Erreichen der Küste Grönlands können wir wieder Funkkontakt aufbauen. Ein erleichterndes Gefühl. Für den Fall der Fälle hat Arnim auch mit Andreas das Prozedere für eine Notwasserung durchgesprochen und Anweisungen erteilt. Die Piper Cheyenne läuft jedoch wie ein Uhrwerk und bringt uns der Heimat immer näher.
Nach zweieinhalb Stunden Flugzeit und 800 Kilometern Wegstrecke erreichen wir Kangerlussuaq am Ende eines 200 Kilometer langen Fjordes an der Westküste Grönlands. Grönland ist die größte Insel der Erde. Politisch gesehen ist sie autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Der Grönländische Eisschild bedeckt große Teile der gesamten Landmasse. Das Eis kann hier bis zu 3.000 Meter dick werden – nur in der Antarktis gibt es noch mächtigere Eisdicken.
Im einzigen Hotel des 500-Seelen-Ortes, dem Hotel Kangerlussuaq, mieten wir uns für zwei Tage ein. Vom Flughafengebäude gelangt man direkt zum Hotel und ist nur wenige Minuten vom Inlandeis entfernt. Am Abend setzen wir uns in gemütlicher Runde zusammen und besprechen gemeinsam den kommenden Tag. Gleich hinter dem kleinen Ort beginnt die unberührte Wildnis. Ich freue mich auf unseren Ausflug morgen.
Lagebesprechung vor dem Abflug: Reiner Meutsch und Arnim Stief an der Piper Cheyenne. Foto und Copyright: Stiftung Reiner Meutsch / Fly&Help
HS 02.11.2010
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