Fly & Help: Island ist erreicht
Reiner Meutsch und Arnim Stief haben bei ihrem Weltflug für die Stiftung Fly & Help die isländische Stadt Reykjavik erreicht. Damit geht die Reise ins Finale - in wenigen Tagen ist die Heimatbasis Siegerland erreicht.
Reiner Meutsch beschreibt seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de
Kangerlussuaq (BGSF) – 67° 0′ 36″ N, 50° 42′ 0″ W
Reykjavík (BIRK) – 64° 9′ 0″ N, 21° 56′ 0″ W
Distanz: 788 NM
Flugzeit: 4 Stunden
Nachtrag Tag 173, 2. November 2010
Um 23 Uhr war es soweit, das Nordlicht erstrahlte in knalligem Grün am schwarzen Nachthimmel über Kangerlussuaq. Andreas ist wach geblieben und weckt Arnim und mich. Zusammen stehen wir wenige Minuten später auf dem Flugplatz, flankiert von unserer Cheyenne und genießen still das Naturphänomen. Nordlichter treten in den Polargbieten der Erde auf und entstehen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes mit der äußeren Schicht der Erdatmosphäre zusammenprallen. Die Färbung gibt Aufschluss darüber, in welchen Höhen diese Vorgänge ablaufen. Neben grünen Polarlichtern kann man auch rote, violette und bläulich schimmernde Verfärbungen beobachten.
Tag 174, 3. November 2010
Am Frühstückstisch schauen wir uns auf der Kamera die Fotos der letzten Nacht an und sind alle drei noch ganz fasziniert vom Nordlicht. Heute Vormittag zieht unsere kleine Karawane weiter an die Ostküste Grönlands und über den Atlantik nach Island. Als erstes kümmern wir uns um die Cheyenne, die mittlerweile von Eiskristallen puderzuckerartig eingestäubt ist. Dann nehmen wir uns eine weitere halbe Stunde Zeit für einen gründlichen Außencheck. Wir können uns kein Risiko erlauben und müssen zusehen, dass alles eisfrei ist.
Trotz der minus 19 Grad lassen sich die Triebwerke problemlos starten. So drehen wir kurze Zeit später schon unsere Runden über dem Russells-Gletscher, an dessen Fuß wir gestern noch standen. Dann geht es quer über einen großen Teil Grönlands Richtung Kulusuk. Obwohl unsere Flughöhe 5.000 Meter über dem Meeresspiegel liegt, fliegen wir gut 90 Prozent der Strecke nur 2.000 Meter über dem Eis. Das hängt damit zusammen, das die Eisschicht unter uns teilweise bis zu 3.000 Meter dick ist.
Grönland von oben zu sehen, ist wirklich wunderschön. Die Sonne lässt den Boden schneeweiß erstrahlen. Türkisfarbendes Eis soweit das Auge reicht. Nach knapp zwei Stunden Flug kommt das winzige Örtchen Kulusuk auf der Insel Ammassalik am Eingang des Ammassalik-Fjords in Sicht. Wir sinken tiefer auf 400 Meter über Grund. Eigentlich wollten wir hier zwischenlanden. Aufgrund der sehr starken Seitenwinde von bis zu 35 Knoten am Boden und der Lage der Landebahn an den Bergen, was zu starken Verwirblungen führen kann, entscheiden wir uns letztlich doch dagegen. Stattdessen verweilen wir einfach etwas länger im Flieger über der Region und bestaunen die bizarr schöne Eislandschaft von oben. Die Berge um uns herum erheben sich bis zu 1.100 Meter.
Als Ferry-Pilot hat Arnim hier schon um die 20 Mal Station gemacht: immer während der Überführung von Kleinflugzeugen. Aus nur 30 Metern Höhe überfliegen wir den Flughafen. Der Lotse auf dem Turm ist freudig begeistert und ganz aus dem Häuschen.
Etwas mehr als 300 Menschen leben hier abseits der Zivilisation. Arnim kennt so einige von ihnen persönlich. Im Winterhalbjahr kommen Eisbären auf der Suche nach Nahrung recht nah an die Siedlung Kulusuk heran. Bekannt ist die Region auch für die kunsthandwerklichen Schnitzarbeiten der Inuit.
Für uns geht es nun aber weiter Richtung Osten. Ganze zwei Stunden fliege ich bis Reykjavík über dem offenen Meer. Aus Sicherheitsgründen steige ich auf über 17.000 Fuß. Bei starkem Schneetreiben und schlechter Sicht bringe ich die Piper auf dem direkt in der Stadt gelegenen Flugplatz zum Stehen. Puhh, was für eine Landung. Die Abwicklung geht rasch voran, denn Arnim kennt hier jeden.
Aufgrund ihrer Lage gilt Reykjavík als die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt. Die isländische Bezeichnung „Rauchbucht“ wird auf die heiß dampfenden Quellen außerhalb der Stadt zurückgeführt.
Unser Weltumrundungssponsor Hilton Deutschland hat zwei Übernachtungen für uns in der isländischen Hauptstadt organisiert. Vom Hotel aus starten wir morgen zu einer Erkundungstour und fahren anschließend raus zu den Geysiren.
In drei Tagen geht die FLY & HELP-Weltumrundung mit der Landung auf dem Siegerlandflughafen für uns zu Ende. Die Spannung steigt, aber auch Wehmut stellt sich so langsam ein.
Lagebesprechung vor dem Abflug: Reiner Meutsch und Arnim Stief an der Piper Cheyenne. Foto und Copyright: Stiftung Reiner Meutsch / Fly&Help
04.11.2010
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