Erlebnisse von Reiner Meutsch bei der Zwischenlandung in Sanaa
Der erste Kontinent ist absolviert: Reiner Meutsch und Arnim Stief haben Afrika verlassen und Kurs auf Sanaa genommen. Die Piper Cheyenne erreicht die Arabische Halbinsel.
Kurz darauf setzt die Crew des Fly & Help Fluges i Sanaa zur Landung an. Was die beiden Piloten erlebten, schildert Reiner Meutsch für die Leser von aerokurier.de:
Nachdem uns gestern überraschend der Präsident von Äthiopien zum Empfang gebeten hat, werden wir nach dem Frühstück mit einem Fahrer von unserem Hotel in Addis Abeba abgeholt. Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir den Präsidentenpalast.
Die schlossähnliche Anlage ist sehr imposant und umgeben von unglaublich grünen Gärten und Blumenanlagen. Die Begrüßung des Präsidenten Girma Woldegiorgis fällt sehr herzlich aus, fast wie unter Freunden. Bei Kaffee und Tee ist er nicht nur Staatsmann, sondern wir tauschen auch persönliche Erfahrungen und unsere Lebenswege aus. Ich habe die Gelegenheit, ihm ausführlich von der FLY & HELP Stiftung und unseren Zielen zu berichten. Wir vertiefen das Gespräch und kommen schnell auf die hohe Analphabetenquote in Äthiopien zu sprechen. Er bittet uns um Unterstützung, damit dem Bildungsnotstand weiter Einhalt geboten werden kann. In Kürze werden Vorschläge erarbeitet und ein konkretes Schulprojekt ausgewählt. Von Deutschland aus werden wir dann die Möglichkeiten prüfen, in welcher Form die Stiftung helfen kann.
Der Besuch beim Präsident hat Arnim und mich sehr beeindruckt. Der 86-jährige ist sehr charismatisch und strahlt Hoffnung und Kraft aus. Seine betriebswirtschaftliche Erfahrung kommt dem Land zugute. Unsere Verabschiedung ist sehr persönlich. Ein toller Moment in meinem Leben.
Nach dem einstündigen Empfang geht es direkt weiter zum Flughafen. Die Piper ist betankt und steht bereit für den Flug nach Sanaa. Der Autopilot ist deaktiviert und ich genieße das Fliegen. Wie auch schon auf dem Hinflug müssen wir die hohen Berge Äthiopiens in angemessener Höhe überfliegen und steigen deshalb auf 15.000 Fuß. Dank des modernen Wetterradars können wir einem Schlechtwettergebiet frühzeitig ausweichen. Nach einer guten Stunde passieren wir Djibouti. Die Landschaft ähnelt mittlerweile einer Wüste. Dann verlassen wir Afrika und sehen in der Ferne den Jemen. Arnim und ich fallen uns im Cockpit in die Arme. Die Durchquerung Afrikas und gleichzeitig auch die erste Etappe sind damit erfolgreich beendet: Afrika, du hast uns in deinen Bann gezogen!
Der Überflug auf die Arabische Halbinsel dauert nur fünf Minuten. Links von uns liegt das Rote Meer und rechts der Golf von Aden.
Bald schon wird die Landschaft immer schroffer – hohe Berge und eine unwirkliche Landschaft zeigt sich unter uns. Die Gegend wirkt menschenfeindlich. Ich denke unweigerlich an die Nachrichtenberichte über die immer wieder vorkommenden Entführungen. Wie will man hier die Geiseln aufspüren?
Dann der Anflug auf das sagenumwobene Sanaa. Wir fliegen in nur 300 Metern Höhe und sind von der Architektur der Gebäude begeistert. Wie aus dem Märchen wirkt die jemenitische Hauptstadt auf uns. Moscheen soweit das Auge reicht. Allein in der Altstadt soll es 80 geben.
Nach der Landung wird es aber ungemütlich. Zuerst kommt kein Tankwagen und dann will man uns nicht einreisen lassen. Zudem akzeptiert man unsere Hotelbuchung in der Altstadt Sanaas nicht und ich werde als Pressemitarbeiter identifiziert. Daraufhin werde ich gründlich durchsucht und muss die Kameras sowie mein RPR1 Aufzeichnungsgerät ins Flugzeug zurückbringen. Zu guter Letzt werden Arnim und mir der Pass abgenommen. Wir sollen sie dann zum Abflug in zwei Tagen wiederbekommen. Alles läuft zuvorkommend und höflich ab. In der Wartezeit bekommen wir immer wieder Tee gereicht. Die Sicherheitsbeamten entschuldigen sich permanent, denn sie müssten sich an die Gesetze halten.
Über eine glückliche Begebenheit zu Beginn der Weltumrundung habe ich eine Kontaktperson in Sanaa. Vom Deutschen Entwicklungsdienst kann ich Melanie anrufen. Sie ist auf FLY & HELP aufmerksam geworden und möchte uns willkommen heißen und uns eine Stadtführung geben. Mit ihrem Mann Tarig und den beiden Kindern Karim (3,5 Jahre) und Saeed (1,5 Jahre) lebt sie in Sanaa. Ursprünglich stammt sie aus dem Westerwald, nur etwa acht Kilometer von meinem Heimatort entfernt.
Nach einigen Stunden schafft es Melanie, uns am Flughafen „auszulösen“. Sie bürgt für uns und unsere Sicherheit. Wir dürfen die Stadtgrenze nicht verlassen und sollen uns am nächsten Tag bei der Polizei melden. Ausländer bekommen im Augenblick kein Visa, was letztlich der Grund für die lange Einreiseprozedur war.
Spät abends erreichen wir dann endlich unser Hotel Arabia Felix, direkt in der wunderschönen Altstadt gelegen. Das Haus ist mit seinen 800 Jahren Geschichte etwas ganz besonderes in der arabischen Welt. Unsere Zimmer liegen im vierten Stock. Von hier oben haben wir einen phantastischen Blick auf Sanaa – einfach märchenhaft.
Zum Abendessen treffen wir uns in unserer Herberge mit Melanie, ihrer Familie und Horst Schlüpmann, ebenfalls vom Deutschen Entwicklungsdienst. Bei traditionellen Speisen bekommen Armin und ich sehr persönliche Eindrücke vom Jemen und seiner Hauptstadt.
Für den nächsten Morgen verabreden wir uns auf eine ausgiebige Erkundungstour durch Sanaa. Das Märchen aus 1001 Nacht beginnt. Irgendwie verrückt: Eingereist ohne Visa, sind wir offenbar die einzigen Touristen in der Stadt. Unser Dank gilt Melanie.
Die erste Etappe der Weltumrundung führte von Siegerland nach Sabadell in Spanien. Foto und Copyright: © aerokurier
HS 10.02.2010
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