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Piper J-3C

Ein Käfer, der fliegen kann

Piper J-3C im Flug

Die J-3 Cub mit ihren zahlreichen Varianten ist im Flugzeugbau ungefähr das, was der VW Käfer für die Automobilgeschichte ist: Jeder kennt sie, auf jedem Platz gibt es eine und jeder mag sie, weil sie so sympathisch ist.

Wenn man möglichst viel Zeit mit dem heißgeliebten Flugzeug verbringen will, kann man jeden Tag zum Flugplatz fahren. Aber dann schmälert mindestens die Fahrzeit die zur Verfügung Flugzeit, von allen anderen Widrigkeiten ganz abgesehen. Melanie Horn hat es ein wenig anders gemacht: Sie hat sich einen Wohnwagen auf das Tannheimer Flugplatzgelände gestellt. So kann sie die perfekt restaurierte Piper J-3C, D-EJGI, aus der Halle ziehen und zum Start rollen, wann immer ihr danach zumute ist. Und das ist oft der Fall.
Einen festen Wohnsitz hat sie gemeinsam mit Ehemann Patrick natürlich auch, aber der ist eineinhalb Stunden entfernt. So ein Wohnwagen ist da sehr nützlich, wenn die Tage auf dem weithin bekannten Grasplatz und „Tannkosh“-Schauplatz lang werden. Auch das ist immer wieder der Fall, wenn man, wie sie, nicht nur zum Fliegen auf den Platz kommt, sondern um Leute zu treffen und mit anzupacken, wenn Hilfe gebraucht wird.
Die Piper hat eine für ihr Baujahr typische Biografie: Montiert wurde sie Ende 1944 bei Piper in Lock Haven als Militärausführung L-4. Gleich danach wurde sie nach Europa verschifft und diente der US-Armee als Verbindungsflugzeug. Nach Ende des Krieges lohnte sich aus amerikanischer Sicht der Rücktransport nicht. Das Leichtflugzeug blieb in Europa, kam in zivile Hände - zunächst in der Schweiz, dann in Österreich, wo es sich als Schul-, Absetz- und Schleppflugzeug viele Freunde machte. 1964 wurde die Piper schließlich nach Deutschland geholt und mittlerweile auf den stärkeren 85-PS-Contimotor umgerüstet.
Wie der berühmte Volkswagen hat das Piper-Leichtflugzeug seinen herausragenden Platz in der Geschichte nicht, weil es technisch besonders anspruchsvoll ist oder Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt hat, sondern weil es das richtige Flugzeug zur richtigen Zeit war, um zahllosen Menschen das Fliegen nahezubringen.
Ihren Aufstieg zur Ikone verdankt die zierliche Rohr-und-Tuch-Einmot einem staatlichen Pilotenschulungsprogramm. Präsident Franklin D. Roosevelt persönlich stellte es kurz nach Weihnachten 1938 vor. 20000 junge Leute im Jahr sollten, so die Idee, das Fliegen erlernen, um der Allgemeinen Luftfahrt Auftrieb zu verschaffen. Just in dem Jahr hatte der rührige Unternehmer William T. Piper die J-3 auf den Markt gebracht, eine verbesserte Ausführung der Taylor E-2 aus dem Jahr 1930, von der auch der Beiname „Cub“ („Raubtierjunges“) stammt. Gerade einmal 40 PS hatten die ersten Cubs, die es mit Continental-, Lycoming- oder Franklin-Motor gab.
Aus dem zunächst zivilen Schulungsprogramm wurde nach Kriegseintritt der USA ein militärisches, und aus den 20000 Piloten wurde eine halbe Million. Und vier von fünf lernten auf einer Cub. Die simpel aufgebaute Piper konnte in enormen Stückzahlen gebaut werden, zeitweise wurde alle 20 Minuten eine fertig. Bis 1947, als die J-3 von der PA-11 und schließlich von der PA-18 abgelöst wurde, hat Piper etwa 20000 Flugzeuge gebaut. Das Bezeichnungssystem ist wegen der Variantenvielfalt etwas unübersichtlich. Im Prinzip verweist der Buchstabe nach der „3“ auf den Motorenhersteller und die folgende Zahl auf die Motorleistung in HP (Horse Power).
Gemessen an heutigen Maßstäben ist die zweisitzige Cub ein kleines Flugzeug: 6,8 Meter lang, 10,7 Meter Spannweite und kaum höher als ein groß gewachsener Mensch. Mit dem häufig verbauten 65-PS-Motor schafft sie es auf gerade einmal 140 km/h, im Reiseflug sind es eher 100 bis 120 km/h. Kurios wirkt vor allem der Tank: Keine 50 Liter passen hinein.
„Bis zur nächsten Kaffeetasse“, lautet daher Melanie Horns Umschreibung für die Reichweite der J-3C. Was heißen soll: Die Piper ist in erster Linie ein Spaßflugzeug. Und der Spaß liegt zum Beispiel in der Reise zum Piper-Treffen in Hammelburg, dem Flug im Fünfer-Pulk zum Quaxtreffen oder einem gemeinschaftlichen Ausritt mit der Streifeneder-Piper-Staffel, die ja auch in Tannheim beheimatet ist. Oder einfach nur Spritztouren in die Umgebung. „Ich liebe dieses ursprüngliche Fliegen. Die Piper hat alles, was man braucht, und kein bisschen mehr“, freut sich Melanie Horn über den jung gebliebenen Veteranen.

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Der Namensgeber: Cub heißt ja „Bärenjunges“. © Foto: Frank Herzog

MS

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