Wer würde Hawker kaufen?
Bei Hawker Beechcraft reifen Pläne heran, das Jetprogramm entweder zu verkaufen oder einzustellen. Es stellt sich die Frage, wer an dem recht heterogenen Programm interessiert sein könnte.
Hawker Beechcraft will sich, wie berichtet, auf die Produktion von Propellerflugzeugen konzentrieren, um sich auf diese Weise aus der Insolvenz zu befreien. Es stellt sich die Frage, wer an dem recht heterogenen Programm interessiert sein könnte. Dazu gehören unter anderem die moderne Hawker 4000 in Kunststoffbauweise und die Hawker 800, die auf einem alten Entwurf von British Aerospace beruht.
Mehrere Kandidaten werden derzeit in Analystenkreisen genannt. Dazu gehört das indische Unternehmen Mahindra & Mahindra Limited.
Das alteingesessene Unternehmen mit Sitz in Mumbai ist Indiens bedeutendster Autohersteller. Bekannt sind zum Beispiel die in Lizenz gebauten Jeep-Modelle. Seit einigen Jahren engagieren sich die Inder auch in der Luftfahrt, sie fertigen Komponenten für die Boeing 737 und die Gulfstream G150. Im Jahr 2009 haben die Inder den australischen Flugzeughersteller Gipps Aero gekauft. Gipps Aero baut eine Familie kleinerer und größerer Flugzeuge bis hin zum 20-Sitzer. Mahindra ist dafür bekannt, ein „Global Player“ in der Produktion von kompletten Flugzeugen werden zu wollen. Die Hawker-Modelle würden zu ihren Ambitionen passen, und sie hätten das Geld für einen Kauf. Mahindra hat auf der anderen Seite eine Vorliebe für Billiglohnländer.
Als Kandidat gilt auch die US-Firma Nextant, die runderneuerte Beechjet 400 vertreibt. Nextant hätte damit freie Verfügungsgewalt über alle anderen Hawker-Modelle. Die politischen Hürden dürften für Nextant als US-Firma niedrig liegen. Gegen Nextant spricht die Abneigung des Hawker-Beechcraft-Managements, für die der Runderneuerer immer ein lästiger Konkurrent war.
Auch Chinesen könnten wieder einmal zum Zuge kommen: Die China Aviation Industry Corporation (AVIC) ist ein Industriegigant, der bereits mit Embraer und Cessna kooperiert. 2011 hat AVIC Cirrus Aircraft günstig erstanden. Die Chinesen lieben es, ein Schnäppchen zu machen. Eine Übernahme durch die Chinesen dürfte aber inneramerikanischen Widerstand auslösen. Außerdem hat Hawker Beechcraft eben erst mit Superior Aviation eine andere chinesische Firma aufs Glatteis geführt.
BAE Systems sollte man auch nicht völlig außer Acht lassen. Der britische multinationale Rüstungs- und Luftfahrtkonzern ist ein industrielles Schwergewicht. Die Verschmelzung mit EADS allerdings wurde unlängst abgeblasen. Die Briten kennen das Hawker-Programm sehr gut, schließlich haben sie es einst an Raytheon verkauft. Die Briten könnten versucht sein, sich jetzt wieder eine eigenständige Business-Jet-Produktion zuzulegen. Die Wahrscheinlichkeit scheint aber nicht hoch.
Hawker Beechcraft: In Zukunft ohne Jets?
Durch Modernisierungen und Modifikationen wurde die Beech Bonanza immer wieder auf den neusten Stand gebracht. Foto und Copyright: © Hawker Beechcraft
MS 26.10.2012
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