Sokol M-1D
Nachkriegs-Reiseflugzeug mit Arado-Wurzeln
Zwei Jahrzehnte hing das schöne Reiseflugzeug aus den 1940er Jahren in einem Baumarkt als Dekorationsobjekt von der Decke. Dann erweckten es zwei Enthusiasten wieder zum Leben.
Die Sokol war eines der ersten Muster, das die Tschechen nach dem Krieg auf den Markt brachten. Während des Krieges hatten sie deutsche Flugzeuge bauen müssen, darunter die Arado 79. Und so gibt es auffallende Übereinstimmungen zwischen dem schnellen deutschen Schul- und Kurierflugzeug und der tschechischen Konstruktion, das Leitwerk zum Beispiel.
Auf den 1946 entstandenen, M-1A genannten Prototypen folgen die verbesserten Versionen M-1C und M-1D mit geänderter Haube und verlängertem Rumpf sowie 1949 die Schwimmerausführung M1-E.
Mehr als 300 Exemplare der C- und D-Version wurden gebaut, als freitragende Tiefdecker mit dreiteiligem Holzflügel. Die Flügel sind konventionell über zwei Kastenholme aufgebaut, durchgehend mit Sperrholz beplankt und mit Stoff bespannt. Der ovale Rumpf ist gleichfalls aus Holz. An der Unterseite ist er, im Gegensatz zu der aus Aluminium gebauten Arado, allerdings eckig.
Charakteristisch ist das Fahrwerk, das an spätere Zlin-Muster erinnert. Ist es eingefahren, ragen die Räder noch immer etwas über die Kontur hinaus.
Die Holzbauweise macht die Sokol leicht genug, um einen dritten Sitz zuzulassen. Dieser fügt sich mit seiner mittigen Anordnung überaus harmonisch ins Gesamtbild. 60 Kilogramm dürfen hier platziert werden. Die beiden Flächentanks und der Falltank im Rumpf lassen sich mit 125 Liter Kraftstoff befüllen, die der Sokol immerhin 1000 Kilometer Reichweite ermöglichen. Dabei begnügt sie sich mit 20 bis 25 Litern der teuren Flüssigkeit.
Die 105 PS des Walter Minor 4-III erscheinen eher wenig für ein dreisitziges Flugzeug, und tatsächlich wünscht man sich im Steigflug mehr Leistung. Im Reiseflug zeigen sich dann aber die Stärken der kunstflugtauglichen Sokol. Sie ist sehr schnell, willig und wendig. Im Horizontalflug erreicht sie 230 km/h, im Reiseflug ist sie mit 212 km/h unterwegs. Da der Tiefdecker dabei freundlicherweise sein Heck etwas hoch nimmt, bietet sich den Insassen eine begeisternde Panoramasicht.
Die Sokol ist kein Anfängerflugzeug. Vor allem auf kurzen Plätzen will sie in jeder Lebenslage beherrscht sein. Ihr niedriges Fahrwerk nimmt den Bodeneffekt mit, und sie schwebt daher „ewig lange“. Nicht selten heißt es, sie im Anflug in einen überdeutlichen Slip zu zwingen. Das recht große Seitenruder lässt sie außerdem sensibel auf Seitenwind reagieren. Läuft alles nach Wunsch, kommt die Sokol bei Klappen- und Bremseinsatz nach 150 bis 170 Metern zum Stehen.
Beim Start wiederum bekommt man zu spüren, dass man mit den 105 PS des Walter-Vierzylinders nicht aus dem Vollen schöpft. Vor allem dann, wenn die Bäume noch immer auf Augenhöhe sind, obwohl man sie längst von oben betrachten möchte. Schweißtreibend ist ferner das Hereinholen des Fahrwerks: 17 Kurbelumdrehungen werden einem abverlangt, bis der Anschlag erreicht ist.
590 Fuß pro Minute Steigleistung weist das Handbuch aus, gerechnet für 770 Kilogramm Abflugmasse. Nach sechs Minuten ist man demnach auf 3280 Fuß Höhe. Das Ende der Fahnenstange ist bei 15700 Fuß erreicht.
Die Sokol ist hierzulande eine Rarität. Das gezeigte Flugzeug aus dem jahr 1949 ist heute in Bad Ditzenbach stationiert. Zwei Privatleute haben es 2004/2005 restauriert und wieder zugelassen.
MS
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