24.09.2015
Erschienen in: 10/ 2015 aerokurier

FlugerprobungGulfstream G500/G600 – Langsam auf Höhe

Gulfstreams neuester Jet, die G500, wird als Teil eines Doppelprogramms zusammen mit der G600 entwickelt. Die Flugerprobung der G500 nimmt jetzt Fahrt auf.

Am 18. Mai 2015 feierte Gulfstream den ersten Flug des neuen Langstrecken-Business-Jets G500. Die G500 wird über eine Reichweite von 5000 NM (9260 km) verfügen und in einem Doppelprogramm zusammen mit ihrer größeren Schwester, der G600, entwickelt. Die G600 kommt auf 6200 NM beziehungsweise 11 482 Kilometer Reichweite.

Der Hersteller aus Savannah im US-Bundesstaat Georgia hatte beide Flugzeuge im Oktober 2014 der Weltöffentlichkeit vorgestellt, wobei er als besondere Überraschung die G500 mit eigenem Antrieb als fertiges Flugzeug vor das staunende Premierenpublikum rollen ließ. Trotzdem dauerte es noch bis zum Mai 2015, bevor die G500 mit ihrem Flugtestprogramm begann.

In den drei Monaten nach dem Erstflug hat die G500 auch nur ein relativ geringes Flugvolumen absolviert. Gerade einmal fünf Flüge mit zusammen rund 15 Stunden Flugzeit kamen zusammen, gab Gulfstream Aerospace am 10. August bekannt. Der längste Flug des von zwei Pratt & Whitney Canada PW800 angetriebenen Geschäftsreisejets dauerte über vier Stunden. „Die ersten fünf Flüge übertrafen unsere Erwartungen“, sagte Dan Nale, Senior Vice President Programs, Engineering and Tests bei Gulfstream.  „Und sie haben gezeigt, dass unsere Testeinrichtungen am Boden einen hohen Nutzen in der Luft haben, denn mit ihnen erkennen wir mögliche Probleme bereits am Boden, bevor sie sich in der Luft zeigen können.“ „Seit mehreren Wochen“ durchläuft der Prototyp ein Modifikationsprogramm, das Ende August abgeschlossen sein sollte. Danach sollte das Flugzeug den Flugbetrieb wieder aufnehmen.

Dann werden das Flugerprobungsprogramm und das Nachweisprogramm für die Zulassung des Jets deutlich an Fahrt aufnehmen: Zwei weitere Prototypen der G500 werden von den Ingenieuren gerade für ihren Erstflug vorbereitet, ein vierter wird derzeit produziert. Dieses Flugzeug wird über eine serienkonforme Innenausstattung verfügen. Parallel zur Produktion der G500 arbeiten die Mitarbeiter der Endmontagelinie in Savannah auch an der Fertigstellung der G600 Nummer 1.

Die bisher vergleichsweise niedrige Flugstundenzahl des Programms wird sich also in naher Zukunft schnell ändern. Sie bereitet Gulfstream aber bislang auch keine Sorgen, denn der Hersteller schickt seine Flugzeuge mit einer fast beispiellosen Reife in das Erprobungsprogramm. Mit einem so genannten Iron Bird testet Gulfstream die Systeme und ihre Integration in das Flugzeug schon lange. Der Iron Bird simuliert ein echtes Flugzeug. Alle Systeme arbeiten so wie in einem richtigen Flugzeug unter realistischen Bedingungen. Insgesamt hat Gulfstream die Systeme und Einzelkomponenten in bislang 36 000 Teststunden überprüft.

PW800 zugelassen

Im Cockpit der beiden neuen Familienmitglieder der Gulfstream-Jetfamilie finden die Piloten ein hochmodernes Cockpit vor, das der Hersteller „Symmetry“ genannt hat. Das System beruht auf der Avionikreihe Primus Epic des US-Elektronikkonzerns Honeywell Aerospace. Die Bedienung der Avionik erfolgt über Touchscreen-Displays, die Steuerung des Flugzeugs erfolgt über Active Sidesticks. Sie bewegen sich entsprechend der Steuereingaben der Piloten und stellen ein Novum in der Geschichte der Business Aviation dar. Die Technologie ermöglicht jedem Piloten, am Sidestick direkt zu fühlen, welche  Steuereingaben der jeweils andere Pilot gerade vornimmt. Für das Situationsbewusstsein im Cockpit ist diese einfach erscheinende Technologie ein großer Schritt. Neben einem Enhanced Vision System der dritten  Generation gehört zur umfangreichen Elektronikausstattung der neuen Jets auch ein Head-up-Display sowie ein Synthetic Vision System, das im Hauptbildschirm (PFD) dargestellt wird.

Die Kabine der G500 und der G600 ist für längere Aufenthalte von Passagieren optimiert. Die G500 kann mit bis zu 19 Fluggastsitzen in drei verschiedenen Kabinenzonen bestuhlt werden. Für eine angenehme Atmosphäre an Bord sorgt die Kabinendruckhöhe, die einer Höhe von 4850 Fuß (1578 m) bei einer Flughöhe von   51000 Fuß entspricht. Sie bietet eine hohe Produktivität, da sie über Satellitenkommunikation ans Internet angebunden ist. Außerdem strebt Gulfstream an, mit der G500/G660 die leiseste Kabine in der Business Aviation zu realisieren.

Gulfstream zielt auf eine Zulassung der G500 durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA im Jahr 2017. Die Erstauslieferung der G500 soll  2018 erfolgen. In diesem Jahr will der Hersteller auch die G600 zertifiziert haben und ein Jahr später mit den Auslieferungen an die Kunden beginnen.

aerokurier Ausgabe 10/2015

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Volker K. Thomalla


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