05.08.2013
aerokurier

Learjet 85 ErstflugBombardier Learjet 85: Erstflug vor Ende 2013

Bombardier ist entschlossen, vor Jahresende den neuen Learjet 85 in die Luft zu bringen. Der kanadische Konzern steht unter Druck, denn im Oktober jährt sich der Erstflug des Ur-Learjets, des Learjet 23, zum 50. Mal.

Bombardier wollte eigentlich in diesem Jahr die ersten Kundenflugzeuge des neuen Learjet 85 übergeben. Aber der Zeitplan ist etwas durcheinander geraten, die Übergabe der ersten Flugzeuge dürfte sich bis Spätsommer nächsten Jahres verzögern. Die Fertigung eines so großen Business Jets in Kunststoff hat unerwartete Herausforderungen mit sich gebracht. Hinzu kommt, dass die Produktion auf mehrere Standorte verteilt ist.
Der erste Prototyp ist praktisch fertig, hat aber seinen Erstflug noch vor sich.

Mit dem Learjet 85 schlägt Bombardier in mehrfacher Hinsicht ein neues Kapitel auf. Es ist der größte und schnellste Learjet und zugleich der erste, der aus Verbundwerkstoff gebaut wird.
Bombardier hatte das Konzept 2007 vorgestellt, verbunden mit dem Ziel, die größte und komfortabelste Kabine im „Midsize“-Segment anzubieten. Mit seinen PW307B-Triebwerken von Pratt & Whitney Canada soll der Learjet 85 eine maximale Reisegeschwindigkeit von 470 KTAS erreichen und eine Reichweite von 3000 NM erzielen. Die Learjet-85-Kabine wird in jedem Fall die geräumigste Learjet-Kabine aller Zeiten sein. Sie hat ein Volumen von 18,83 m3. Die gleichfalls sehr großzügig geschnittene Citation Sovereign bringt es, zum Vergleich, auf 17,56 m3. Allerdings ist die Cessna-Kabine etwa 20 cm länger.
Für das Gepäck stehen in dem Learjet weitere 3,68 m3 zur Verfügung. Die Standardkonfiguration des Learjet 85 sieht acht Passagiersitze in Doppelclubanordnung vor. Es wird alternative Grundrisse geben, darunter solche mit einem dreisitzigen Sofa. Sehr angenehm ist zweifellos die für ein Flugzeug dieser Kategorie ungewöhnliche Kabinenhöhe von 1,80 m, gemessen im Mittelgang. Gleiches gilt für den Abstand zwischen den Sitzen, der etwa 76 cm beträgt und somit viel Beinfreiheit gewährt. Die Sitze sind drehbar uns lassen sich in Liegeflächen verwandeln, was die Interkontinentaltauglichkeit des großen Learjet unterstreicht.
Natürlich gibt es eine Bordküche, die auf Wunsch mit einem Mikrowellenofen ausgestattet werden kann, und eine Bordtoilette mit Waschgelegenheit.
Sehr wichtig war es den Bombardier-Ingenieuren, viel Fensterfläche zu schaffen. Die Fenster messen etwa 305 mm x 406 mm und lassen viel natürliches Licht herein.

Für die Ausrüstung des Cockpits mit Elektronik hat sich Bombardier einmal mehr für Rockwell Collins entschieden. Der Avionikgigant aus Cedar Rapids im US-Bundesstaat Iowa wird sein „Pro Line Fusion“-System beisteuern. Rockwell Collins hatte das Flugdeck 2007 vorgestellt, als Weiterentwicklung des Pro Line 21.  Bombardier hat das System außerdem für die Global Express XRS, die Global 5000 und die „C Series“-Regionalverkehrsflugzeuge ausgewählt, Embraer baut es in die beiden neuen Legacy-Modelle 450 und 500 ein, Gulfstream hat es für die G250 ausgewählt.
Die Entwicklungsabteilung von Bombardier hatte überlegt, den neuen Learjet mit Fly-by-wire-Technik zu konstruieren, hat sich aber letztendlich – auch auf Kundenwunsch – für ein konventionelles Steuerungssystem einschließlich Steuerhörnern, die viele Learjet-Piloten vermisst haben würden, entschieden. Allerdings wird das Flugzeug Brake-by-wire-Technik besitzen.

Im Hinblick auf die Fertigung stand Bombardier vor der Herausforderung, die Kapazitäten zu schaffen, um ein Flugzeug in Serie zu bauen, das komplett aus Verbundwerkstoff besteht. Bombardier verwendet, wie viele andere Hersteller auch, bei seinen Flugzeugen Komponenten aus Verbundwerkstoff, hat aber bisher kein Flugzeug vollständig aus diesem Material produziert.
Eine Schlüsselrolle hat dabei das Bombardier-Werk im mexikanischen Querétaro, das eigens dafür erweitert wurde. Bombardier hat in Mexiko bisher Teile unter anderem für die Challenger 850, die Global-Reihe und die Q400-Regionalverkehrsflugzeuge fertigen lassen. Die Endmontage, die Lackierung und die Testflüge dagegen werden nach derzeitigem Planungsstand in Wichita/USA erfolgen.
Im Business-Jet-Programm des Herstellers ist der neue Learjet zwischen dem Learjet 60 und der Challenger 300 angesiedelt. Er wird der größte und schnellste Learjet sein und der erste nach FAR Part 25 zugelassene Business Jet, der vollständig aus Composite gebaut ist.



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