29.03.2017
Erschienen in: 03/ 2017 aerokurier

Business JetBombardier Global 7000 — Totgeglaubte leben länger

Nachdem Branchenexperten das Scheitern von Bombardiers Global-7000-Programm prophezeiten und das Unternehmen allgemein auf wackeligen Beinen sahen, markiert der Erstflug des neuen Jets einen wichtigen Wendepunkt in der jüngsten Firmengeschichte der Kanadier.

Anfang Oktober 2015 nimmt der erste Prototyp der Global 7000 in Bombardiers Werkshalle in Toronto, Kanada, langsam Gestalt an. Gleichzeitig veröffentlicht man Details zur Kabine des neuen Jets: Der Innenraum soll in vier Bereiche unterteilt sein – ein Novum in dieser Klasse – und in Sachen Komfort und Unterhaltungsangebot für Langstreckenreisen von über 7000 Nautischen Meilen optimiert sein. Sogar ein separater Ruhebereich für das Flugzeugpersonal sei vorgesehen. Auf der NBAA 2016 in Orlando, USA, konnten Besucher zum ersten Mal ein voll ausgestattetes Mockup bewundern. Beim Betreten wurde schnell klar, dass es die Kanadier mit der Global 7000 auf Gulfstream G650 und Co. abgesehen haben.

Die eigentliche Sensation fand gleichzeitig und fernab des Messetrubels in Bombardiers Homebase in Toronto statt: Am 4. November startete der erste Prototyp mit der nüchternen Bezeichnung „First Flight Test Vehicle“ zu seinem Jungfernflug. Diese Neuigkeit sorgte auch auf der NBAA für Furore. Denn nachdem die Kanadier 2015 die Produktion der Business Jets Global 5000 und 6000 um die Hälfte reduzierten, zweifelten viele daran, dass das 7000er-Programm eine Zukunft hat. So war der von Bombardier gewählte Tag kein Zufall: Man wollte mit dem Erstflug während des größten Branchentreffens der USA ein klares Statement setzen: „Wir sind gesund, und es geht uns gut.“

Kapitän Ed Grabman und Copilot Jeff Karnes steuerten den Prototyp an diesem Tag. Auch Testingenieur Jason Nickel war an Bord und stand den Piloten bei technischen Fragen zur Seite. Der Flug dauerte zwei Stunden und 27 Minuten. Während dieser Zeit prüfte die Crew die allgemeine Funktionsfähigkeit der Systeme, die Bedienbarkeit und die Flug-eigenschaften. Der Zweistrahler kletterte stufenweise auf über 6000 Meter und erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 240 Knoten. Auf Belastungstests der Triebwerke verzichteten Grabman und sein Kollege bewusst – die Global 7000 absolvierte diese aber mit Erfolg wenige Tage später.

„Dieser Erstflug bündelt eine unglaubliche Menge an Wissen und Erfahrungen von unseren Mitarbeitern, Partnern und Lieferanten“, sagte David Coleal, Präsident von Bombardier Business Aircraft. „Dies ist ein stolzer Moment, der beweist, dass das Global-7000-Programm völlig im Zeitplan liegt.“ Mittlerweile akkumulierte das Testprogramm etwa 30 Stunden in mehr als 15 Flügen. Diese Werte sollten in den nächsten Monaten stark ansteigen, da weitere Testflugzeuge in Dienst gestellt werden. Insgesamt ist der Bau von vier Prototypen geplant. Der zweite ist beinahe fertiggestellt und wird in Kürze in das Erprobungsprogramm einsteigen. Bei Nummer drei wird der Fokus auf den elektronischen Bordsystemen und der Avionik liegen. Mit Fertigstellung des vierten Flugzeugs, das vollständig ausgebaut und sogar ein serienreifes Interieur erhalten wird, neigt sich die Erprobungsphase ihrem Ende zu.

Die neue Global 7000 soll laut Coleal Bombardiers Umsatz ab Indienststellung bis Ende 2020 um drei Milliarden Dollar steigern. Die Auslieferungen der ersten Maschinen sind für die zweite Hälfte 2018 vorgesehen.


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