Embraers Business-Jet-FamilieAufstieg in die Oberliga: Embraers Business Jets

Embraer will zu einem der großen Mitspieler auf dem Feld der Business-Jet-Hersteller werden. Die Brasilianer setzen dabei auf Spitzentechnik und zukunftsweisendes Design.

Es ist keine zehn Jahre her, da war Embraers Business-Jet-Angebot sehr übersichtlich: es gab ein einziges Muster, die Legacy 600. Das Geschäftsreiseflugzeug bietet 16 Passagieren einen Sitzplatz. Seine Reichweite von 3250 NM erlaubt Direktflüge zum Beispiel von Paris nach Dubai, Moskau oder Gander. Seit 2002 ist die Legacy auf dem Markt, und sie ist ein erfolgreiches Produkt. Anfangs wurden jährlich zehn Exemplare ausgeliefert, 2007 waren es schon 36. Heute sind mehr als 130 Legacy 600 in Kundenhand.

Bei der Konzeption des Musters machte sich Embraer seine Kompetenz beim Bau von Regionalverkehrsflugzeugen zunutze, die Legacy basiert auf der ERJ135. Regionalverkehrsflugzeuge und Militärluftfahrt sind das Hauptgeschäft des 1969 als Staatsunternehmen gegründeten Flugzeugbauers – noch, denn die Gewichte sollen sich in absehbarer Zeit verschieben. Die Brasilianer haben den Wachstumsmarkt der Business Jets fest im Blick und eine Strategie, wie sie hier zu einem „Global Player“ werden.

Mittlerweile ist die Modellpalette größer geworden: Es gibt die Leichtjets Phenom 100 und 300, die in diesem beziehungsweise im nächsten Jahr auf den Markt kommen werden. Dann gibt es die Konzepte für zwei mittelgroße Jets, Legacy 450 und Legacy 500. Diese sollen 2012 und 2013 die Zulassungshürde nehmen. An der Spitze steht die Lineage 1000. Das Großraum-Geschäftsreiseflugzeug basiert wiederum auf einem Verkehrsflugzeug, hier ist es die E190. Es zeichnet sich durch eine große Kabine aus, die in fünf Sitzbereiche unterteilt werden kann. Mindestens 40 Millionen Dollar kostet das Flugzeug, in dem etwa 19 Gäste einen Sitzplatz finden können.  Lineage-Flugzeuge werden individuell nach Kundenwunsch eingerichtet. 
Das erklärte Ziel ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch: die Brasilianer wollen sich auf dem wichtigen Markt der mittelgroßen („Midsize“) Jets einen Marktanteil von 20 bis 30 Prozent erarbeiten. Alleine in diesem Segment rechnet Embraer mit einem Bedarf von mindestens 2800 Flugzeugen in den nächsten zehn Jahren. Diese Flugzeuge würden zusammen einen Wert von 38 Milliarden Dollar haben. Die Aufnahmefähigkeit des Business-Jet-Markts insgesamt schätzt Embraer auf 13150 Flugzeuge aller Größen in den kommenden zehn Jahren.

Eine Schlüsselrolle in der Embraer-Strategie haben die Leichtjets Phenom 100 und 300. Im Frühjahr 2005 präsentierte Embraer die Konzepte, zeitgleich mit der Installation der „Executive Jet Division“ innerhalb des Konzerns. Die Zweistrahler sind Neuentwürfe.

Die Phenom 300 ist fast doppelt so schwer wie ihre kleine Schwester. Sie ist für sieben Passagiere und zwei Piloten konzipiert und hat den gleichen Rumpfquerschnitt wie die Phenom 100. Trotzdem ist sie keine gestreckte Version, sondern ein eigenständiger Entwurf.
Die Phenom 100 absolvierte ihren Erstflug am 26. Juli 2007.

Für die Endmontage der beiden Flugzeuge hat Embraer eine neue, 18700 Quadratmeter große Halle in Gavião Peixoto errichtet. Die Serienfertigung der Phenom 100 ist bereits angelaufen. 2009 sollen mehr als 100 Flugzeuge ausgeliefert werden. In der nächsthöheren Kategorie sind die beiden Zweistrahler Legacy 450 und Legacy 500 angesiedelt. Embraer hatte die Konzepte auf der NBAA 2007 vorgestellt. Gemeinsam haben die beiden die HTF7500-Triebwerke von Honeywell, das ultramoderne „Fusion“-Cockpit von Rockwell Collins und Fly-by-wire-Steuerungstechnik. Die Entwicklungskosten werden auf 750 Millionen Dollar beziffert.

Zunächst wird die größere Legacy 500  den regulären Flugbetrieb aufnehmen, dies soll in der zweiten Jahreshälfte 2012 geschehen. Die Legacy 450  folgt mit einem Jahr Abstand.

 



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